IMG_7636 - KetzersteinFuchskaute (bzw. Herborn), 01.07.2020

Nach einer nicht ganz optimalen Nacht im winzigen Zimmerchen weiß ich nun ganz bestimmt, dass ich keine Techno-Musik mag. Irgendeiner der Nachbarn aber schon. Nicht zu laut, aber nachts um 3 Uhr reicht auch leise Musik, um zu stören. Dafür klingelt dann (von jemand anders?) um 5 Uhr der Wecker. Das Kopfsteinpflaster vor dem offenen Fenster tut sein übriges. 
Da es nicht nur kein Bad/WC im Zimmer, sondern auch insgesamt kein Frühstück gibt, plane ich, beim Bäcker auf dem Weg zur Bushaltestelle meinen Tagesbedarf einzukaufen. Dumm nur, dass der erst um 9 Uhr öffnet, mein Bus aber deutlich früher fährt. Dank ungeplanter Jogging-Einlage zum 600m entfernten EDEKA erreiche ich den (Schul-)Bus noch knapp und kann heute schon nassgeschwitzt in die Wanderung starten. 
Die Fahrt kostet mich 1 Stunde, dank Job-Ticket jedoch kein Geld. 😀
Das Strecken-Wandergefühl bleibt hierdurch allerdings auch auf der Strecke. Was soll‘s - es ließ sich für mich nicht anders lösen. 
Was mich sehr überrascht, ist, dass die Kinder in dem Bus aus Herborn mit 20-tausend Einwohnern zur Westerwaldschule nach Driedorf (5-tausend Einwohner) pendeln. Egal - jetzt geht es zur Fuchskaute. 
Die Fuchskaute ist mit ihren 657m der höchste Berg des Westerwalds und liegt auf der Grenze von Hessen und Rheinland-Pfalz. 
Kurz nachdem ich an einem Bioland-Bauernhof vorbei gewandert bin, kommt von hinten ein junger Bursche und „warnt“ mich, dass gleich die Kühe kämen. Wir kommen ins Gespräch und er schiebt sein Moped neben mir bis auf die frische Weide, die heute auf dem Speiseplan der gut hundert Kühe steht. Er erzählt und zeigt mir stolz die Reihe Bäume, die er voriges Jahr gepflanzt hat. Nicht des Ertrags willens, sondern wegen der alten Apfelsorten und für die schöne Landschaft. Dieses Gespräch erdet mich und macht mich richtig glücklich; wie zufrieden und naturverbunden er wirkt. Nach einiger Zeit ruft dann doch der Weg und wir wünschen uns alles Gute - heute ist es mehr als eine reine Floskel. 
Beschwingt und auf schönen Waldwegen geht es nun nach Weißenberg. Dort ist Schluss mit "schön" und stattdessen Teerstrasse angesagt. Einziger Trost: der Rothaarsteig verläuft hier ebenso blöd.
Etwas später erreiche ich das Industriegebiet am Siegerland Flughafen inklusive Biomassekraftwerk. Es wird nicht in meine Top zehn der Wanderhöhepunkte aufgenommen. Die folgende Straßenquerung und das Stück auf der Landstrasse auch nicht. Ich bin froh, als der Weg in das nächste Dörflein abbiegt.
Wenig später mache ich Mittagsrast. Es gibt die heute morgen hart erkämpften Brötchen, welche ich selbst mit Käse belege. Zu oft hatte ich die letzten Tage Remouladenbrötchen mit etwas Käse. Wem schmeckt so etwas? Warum muss da am letzten Fitzelchen Käse gegeizt werden? Und an der Käsequalität sowieso. Billigster Gouda oder gleich Analog-Käse? Überall wird digitalisiert, aber der Käse wird analog. Verrückt!
Vorbei am schönen NSG Mückenwiese geht es weiter zu den Trödelsteinen. Passt thematisch richtig gut, denn sehr schnell bin ich heute wirklich nicht unterwegs. Die Zeit für das Gipfelkreuz und das Gipfelbuch nehme ich mir dennoch. Ab dort geht es auf breiter Schotterpiste weiter. Bei dem Walstück mit der „alle tot“-Markierung und zugehöriger Erklärung (siehe Bilder) meine ich, die Verzweiflung des Försters spüren zu können. Es ist schlimm - und durch den Klimawandel wird es nicht besser!
Am Hohenseelbachkopf fängt es an zu regnen, also packe ich den Schirm aus und so bleibt es auch bis Herdorf. Eine Kugel Eis geht auch mit Schirm und ich dann gleich ins Hotel. Moment - Nicht Hotel, sondern "Gasthof Haus Schneider", d.h. mintgrüne Keramik im Bad und Kiefernmöbel. 
Für meinen Geschmack war der Weg heute nach der Fuchskaute viel zu eintönig, zu breit und zu viel Teer. Ich freue mich auf morgen, auch wenn ich wegen der Länge und der Höhenmeter etwas Bammel habe.
 

Länge Auf Ab
25.7 km 241 Hm 591 Hm

IMG_7599Bad Marienberg, 30.06.2020

So ein Business-Hotel hat seine guten und seine schlechten Seiten. Einerseits die Business-Kasper, die morgens um 6 Uhr schon durch die Gegend poltern und dann Rollkoffer durch die Gänge ziehen, als gäbe es kein Morgen mehr. Andererseits die Tatsache dass es einen Föhn im Bad gibt, der meine noch stellenweise feuchten Woll-Wandersocken zu Ende trocknet. Diese nach dem Waschen auf den ausgeschalteten Heizkörper im Bad zu hängen, gehört zu meinen weniger durchdachten Einfällen. In Saunaschläppchen, mit kurzer Hose und Merino-Shirt, dafür aber frisch rasiert, ernte ich beim Frühstück schon so manchen Blick. Teils verachtend, teils neidisch - so zumindest mein Eindruck. 
Beim Packen überkommt mich plötzlich diese unbeschreibliche Ruhe. Ich bin auf dem Weg angekommen. 
Nach kurzem Halt beim Bäcker, bei dem ich mit einer mir unbekannten Sprache konfrontiert werde, dem (Wester-) Wäller Platt, geht es hinauf zur Kirche. An der Marienquelle vorbei wandere ich hinab ins NSG und entlang der Schwarzen Nister. Weiter geht es auf Radwegen und Nebenstraßen durch kleine Ortschaften zum Salzburger Kopf. Dies ist fast der geographische Höhepunkt der heutigen Etappe. Windig ist es und die Windräder drehen schnell und rauschen kräftig. Deutsches Liedgut „Droben auf dem Westerwald, wo der Wind pfeift so kalt“ (o.ä.) kommen mir ins Gedächtnis und erinnern mich an den längst vergangenen Grundwehrdienst am Fusse des Feldbergs - in unmittelbarer Nähe zum E1. 
Obwohl die Sonne scheint, muss ich zur Mittagsrast die Regenjacke als Windschutz auspacken. Sieht bescheuert aus - ist aber angenehm. 
Hier oben befindet sich noch ein Bunker und eine Sendeanlage. Heute Mobilfunk, diente jedoch in Zeiten des kalten Krieges zur Flugabwehr, da man angeblich aufgrund der besonderen Lage die aus Moskau kommenden Tiefflieger hätte entdecken können. So erzählt es jedenfalls ein Servicetechniker, den ich anspreche und der sich gut auskennt, obwohl er in dem Wasserhäuschen vor dem Sendemast arbeitet. Dieses war mir gar nicht aufgefallen. Gut dass ich kein Spion geworden bin! 
Weiter geht es zur Fuchskaute. Davor kann ich die traditionell bewirtschafteten Wiesen genießen, die hier unter Schutz stehen und voralpines Flair verbreiten. Lustigerweise komme ich mit zwei pausierenden Radlern ins Gespräch (Vater und Tochter). Sie kommen aus Hindelang (aber er ist gebürtig hier) und er beklagt, das im Allgäu die Wiesen so stark bewirtschaftet werden, dass ausser Löwenzahn nichts mehr wächst.
Da die Unterkunft an der Fuchskaute geschlossen ist, bleibt nun noch der schöne Abstieg nach Waldaubach, wo ich zehn Minuten vor Abfahrt des Bus eintreffe. So habe ich noch Gelegenheit, Weller Platt zu üben und Einheimische beim Dorftratsch während des Befüllens der Bio-Tonne zu beobachten, bevor mich der Bus in 50 Minuten Fahrt nach Herborn bringt. Dort übernachte ich in der "Pension Altstadt". Leider habe ich keine freie Übernachtungsmöglichkeit in der Nähe der Fuchskaute gefunden.

 

Länge Auf Ab
20.2 km 416 Hm 311 Hm

IMG_7579Freilingen, 29.06.2020

Nach einer überraschend guten Nacht im Lavendelhäuschen auf dem Campingplatz, wo ich zwischen weicher Couch mit bretthartem Ausziehteil und recht kurzem Stockbett wählen konnte, bin ich gerade am Auschecken, als das Gewitter kommt. Heftig! Mit Starkregen, Blitz und Donner - das volle Programm. Kühl ist es auch. Nur 13 Grad. Ich verziehe mich unter das Vordach der Pizzeria, bei der es auch um 9 Uhr noch kein Frühstück gibt. Nach einer halben Stunde wechselt das Gewitter in einen starken Landregen, so dass ich Regenhose und Jacke anziehe und den Schirm aufspanne. Los geht‘. Ich kann ja nicht den ganzen Tag warten. Ausserdem gibt es erst in 15km was richtiges zu essen.
Auf schönen Pfaden geht es verschlungen und nicht gerade zielstrebig durch den Wald. Nach einer Stunde hört beim Dreifelder Weiher der Regen auf. Eine Bank lockt zur Pause und ich verspeise die vom gestrigen Salat übrig geblieben Pizza-Brötchen mit einem Stück Schoki. Bis nach Langenbaum verläuft der Weg schmal und abwechslungsreich durch den Wald. Das schönste Wegstück bisher. 
Irgendwann erreiche ich den Gräberturm. Er verspricht herzliche Aussicht und sollte eigentlich geöffnet sein. Die Tür ist zu. Direkt neben dem Turm ist eine Ausflugsgaststätte. Mir hängt inzwischen der Magen in den Kniekehlen. Auf sie Frage, ob man den Turm besteigen könne kommt ein pampiges: „Ne - is zu“. Freundlichkeit Fehlanzeige, worauf ich das Mittagessen noch weiter verschiebe. So lasse ich mich hier nicht behandeln. 
Der Weg senkt sich ins Nistertal und da ich inzwischen doch argen Hunger habe, mache ich den Abstecher nach Nistertal, wo ich mir vorher einen REWE ergoogelt habe. Von der Wegführung her ist das nicht empfehlenswert. Gestärkt geht es nun auf der anderen Talseite, die älteste Brennerei des Westerwalds passierend, steil bergan. Die Verkostung lasse ich lieber ausfallen. Vorbei am großen Wolfstein erreiche ich Bad Marienberg. Ich bin doch überrascht, wie hügelig der Ort ist und wie unclever es ist, wenn das Hotel am "oben" am Ortsrand liegt, und die echten Einkaufsmöglichkeiten "unten" im Ort. Für ein Bier und das Nötigste genügt jedoch auch der russische Laden in der Nähe.

Länge Auf Ab
27.4 km 499 Hm 416 Hm

IMG_7548 - Schloss MontabaurMontabaur, 28.06.2020

In der Nacht hat es geregnet und abgekühlt. Nach einem hervorragenden Frühstück im Hotel am Peterstor geht es bei wolkenverhangenem Himmel und 19 Grad los. Es geht vorbei an dem Industriegebiet wegen dem ich Montabaur so falsch eingeschätzt hatte. Ich hätte niemals ein so hübsches Städtchen mit schöner Altstadt erwartet. Nachdem ich unter der A3 hindurch bin und auf Pfaden durch den Wald wandere, merke ich, wie laut es vorher gewesen sein muss. Die „Stille“ der Natur wirkt so beruhigend. Zwischen Felden und Wald abwechselnd, zwei Dörfer tangierend erreiche ich die Kapelle „Steimel“ und mache Rast. Toll sieht man den Turm auf dem „Klöppel“, an dem die Route gestern knapp vorbeiführte. Hierbei wird mir klar, welch riesigen Bogen ich gerade wandere.
In Selters verlasse ich den Weg kurz, um nach Ayran oder Eis Ausschau zu halten. Es gibt beides. Glück gehabt! Inzwischen ist es kühl geworden und immer noch droht das Gewitter. Auf schönem Waldpfädchen geht es nach Maxsain. Ich mag es sehr und finde es kurzweilig, solche Dörfer zu durchqueren. Hier hat jemand Palmen in den Garten gepflanzt. Vorbereitung auf den Klimawandel?
Am Zeltplatz in Freilingen ist der See noch zum Baden gesperrt. Inzwischen ist es sowieso recht kühl. So wird mir ein Kampf mit mir selbst abgenommen. Im Lavendelhäuschen, welches sich als deutlich kleiner wie erwartet entpuppt, ist leider heute morgen der Boiler kaputtgegangen. Der nette Herr vom Zeltplatz hat mir allerdings das warme Wasser in einem ansonsten wegen Corona gesperrten Waschhäuschen angeschaltet. Zum Abendessen gibt es Pizza und Salat von der Pizzeria am Platz.
 

 

Länge Auf Ab
26.6 km 523 Hm 353 Hm

IMG_7517Nassau, 27.06.2020

Es geht mal wieder los! Geplant ist eine Woche auf den E1 von Nassau gen Norden. Schnell beim Bäcker am Bahnhof die Verpflegung für den Tag eingekauft und dann geht es durch die Stadt und bergauf. Es ist unglaublich schwül und drückend. Schwere Gewitter sind vorhergesagt. Der Lärm der Stadt verklingt und es sind nur noch die Vögel zu hören. Schon nach kurzer Zeit bin ich komplett nassgeschwitzt. Die Markierung lässt zu wünschen übrig. Ohne Track keine Chance. 
Die ersten Himbeeren des Jahres sind sehr lecker. Wenn man jedoch an jedem Busch stehen bleibt, kommt man gar nicht mehr voran. 
Nachdem die Höhe erreicht ist, geht es auf breiten und passabel markierten Forstwegen nach Welschneudorf. Einzelne Tropfen fallen schon vom Himmel und tolle Unterstände locken zum Verbleib. Laut Regenradar dauert es noch 45 Minuten, bis es heftig kommen soll. Also nach kurzer Pause weiter. Die richtige Entscheidung? Im weiten Verlauf komme ich mehrfach an riesige abgeholzte Flächen, in denen z.T. heftig gearbeitet wird. Wie die riesigen, frischen Holzstapel duften....
Kurz vor Montabaur nochmal ein schöner Pfad, bevor es an Kneipp-Anlage und Schwimmbad vorbei mit schönem Blick auf das Schloss in die Stadt geht. Die Entscheidung, nicht auf die Wetter-App zu vertrauen, war also goldrichtig. Es regnet eben erst, wenn es nass vom Himmel fällt. In Montabaur noch schnell zur Burg (Hotel) und durch die Fußgängerzone. Von der Judengasse aus hat man zudem einen schönen Ausblick und es gibt zwei Sinnesbänke. Verwunderlich ist, dass am Samstag Nachmittag alle Geschäfte in der Fußgängerzone geschlossen sind.

 

Länge Auf Ab
27.6 km 569 Hm 407 Hm

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