Hier finden sich die Etappen in umgekehrt chronologischer Reihenfolge.

Einen Überblick über alle Etappen gibt es hier, sowie ein paar Worte zu meiner Motivation.

BBDC7FBF-CCEB-4A82-9D40-4A7701EA2081Hurden, 22.06.2021

Etwas müde bin ich heute, obwohl so zwischen Mitternacht und 4:30 Uhr gar keine Züge fuhren und das Bett gar nicht unbequem war.
Der Sturm gestern Abend tobte noch eine Weile vor sich hin und zog dann über uns hinweg. Dabei gab es nur ganz wenig Regen. Die Servicekraft beim Frühstück meinte, solche Stürme seien nicht sehr selten - so viel tote Insekten wie gestern gäbe es jedoch selten. Sie hat zwar draußen schon wieder alles auf Vordermann gebracht, aber alle Fensterscheiben sind immer noch mit Leichen gepflastert.
Das Frühstücksbüffet ist überschaubar und leider gibt es kein gescheites Brot. Dafür Obst, Haferflocken und frische gemachte Eierspeisen. (Im Gegensatz zum „The Chedi Andermatt“ Luxushotel wo man für die Nacht gerne einen vierstelligen Betrag latzen darf, ist die hier in den 13 Franken für das Frühstück schon mit dabei.)
Das Wetter ist etwas unklar. Grauer Himmel mit dunkelgrauen Wolken und leichter Wind. Heute packe ich die Regensachen ganz nach oben in den Rucksack. Und ob ich den direkten Weg nach Einsiedeln gehe, oder den längeren, alten und angeblich schöneren Weg (über das Stöcklichrüz - 1246 m) , entscheide ich am Etelpass.
In der Apotheke kaufe ich eine (bzw. zwei) Mini-Tuben Zahnpasta. Nach Sonnencreme ist Zahnpasta das zweite Verbrauchsmaterial, was mir ausgeht. Ich würde das gar nicht erwähnen, aber ich fand spannend, dass man sich hier (nach Registrierung beim Kanton) in der Apotheke impfen lassen kann. Übrigens mit Moderna. Gegen FSME impft die Apotheke übrigens auch.
Der Weg den Etzel hinauf gefällt mir gut. Wurzelig, mit ein paar Stufen und zunehmend durch die ruhige, friedliche Natur. Es fängt kurz an zu tröpfeln - hört aber gleich wieder auf. Insgesamt versprechen die Wolken am Himmel wenig Gutes. Unterwegs komme ich an der Unterstandshütte Gruebi vorbei. Schön gebaut und super in Schuss gehalten. Ich versuche mich daran, das Gedicht zu verstehen und verewige mich im Hüttenbuch.
Zwei Stunden nach Start erreiche ich den Pass mit Kapelle und Gasthaus St. Meinrad. (Auf den heiligen Meinrad geht übrigens Einsiedeln zurück). Kurz unterhalb der Passhöhe, konnte ich neben Panzersperren auch noch einen Bunker nebst Infotafel „bewundern“. Von einer Reduit-Nordfront hatte ich noch nie gehört und bin dankbar für die vielen friedlichen Jahre, in denen ich leben durfte. Möge das so bleiben!
(Wer Gänsehaut braucht, der lese mal den Artikel „Schweizer Réduit“ bei Wiki - hochinteressant!)
Gerade entscheide ich mich, den kurzen Weg zu gehen und das Stöcklichrüz auszulassen (macht bei dem Wetter keinen Sinn) und besichtige die Kapelle, als es anfängt, zu regnen.
Auch nach einer Viertelstunde in der Kapelle, in der ich ihre Geschichte ausreichend studiert habe, ist es draußen kühl und regnet ausgiebig. Ich beschließe, nun doch meine Regensachen anzuziehen und weiterzuwandern.
Vorbei am Geburtsort von Parcelsus wandere ich über die Tüfelsbrugg - einem beachtlichen Bauwerk mit Ursprüngen im 12. Jahrhundert, das über die Siehl führt. Gerade als ich sie überqueren möchte, kommt ein fetter Maserati angefahren, den ich gerne vorlasse. Er tastet sich mehr hinüber - es ist so eng, dass die Parksensoren ansprechen. Ein Karren mit vierbeinigem Esel, wofür die Brücke mal gebaut wurde, hätte da weniger Probleme.
Über Wiesen und Weiden geht es auf den nächsten Hügel. Ich versuche, mich mit meinem Poncho und Regenhose nicht zu schnell zu bewegen - bin aber dennoch pitschnass geschwitzt. Einmal muss ich über eine Weide mit Kühen, die heute anders reagieren, als sonst - oder ist das Einbildung? Besonders seltsam ist ein Rindvieh ohne Euter. Mit meinem roten Poncho hat das sowas von Torero. In respektvoller Distanz und den Fluchtweg im Blick erreiche ich heil das nächste Drehkreuz und bin erleichtert.
Nachdem ich eine gute Stunde durch den Regen getapst bin, hört er auf und der Himmel vor mir wird freundlicher. Von den Hügeln und Bergen ist dennoch nicht viel zu sehen. Ein Blick zurück, wo ich den Etzel wähne, offenbart nur dunkelgraue Wolken. Oh weia. Ich bin froh, dass ich mich für die kurze Strecke entschieden habe - das war vernünftig.
Der Siehlsee mit dem Steg, den ich gerne überquert hätte, kommt in Sicht und unweit daneben Einsiedeln. Da will ich hin.
Als ich in Einsiedeln die Klosteranlage erreiche, erschlägt sie mich durch ihre schiere Größe. Obwohl ich schon einmal hier war! Die Ställe, die angeblich sehenswert sind, sind wegen COVID gesperrt. Der riesige Platz vor dem Kloster wird und wurde gerade neu gepflastert. Ich betrete die Klosterkirche und komme aus dem Staunen nicht mehr heraus. Ich bin tief beeindruckt, aber diese Pracht zu beschreiben, ist mir einfach unmöglich. (Fotografieren ist leider verboten)
Da ich ziemlich nass bin und mir auch kalt wird, suche ich das Hotel auf.
Ich bin heute total geschafft - ich verstehe gar nicht, warum. Also Ruhe ich mich nach dem Duschen/Wäschewaschen erstmal aus.
Ich spiele sogar kurz mit dem Gedanken, die (kostenpflichtige) Sauna aufzusuchen, aber als ich interessehalber mal nachfrage, sagt man mir, dass diese gerade von einer Gruppe Frauen gebucht sei. Seltsam! Da ich sowieso unschlüssig bin, lasse ich das auf sich beruhen, aber ein seltsames Gefühl bleibt zurück. Seit wann kann man den Wellnessbereich eines Hotels exklusiv buchen? Dafür, dass Einsiedeln DER Wallfahrtsort der Schweiz ist, werde ich, als ich mit Rucksack, Poncho und Wanderschuhen ins Hotel einlaufe, eher distanziert behandelt. Anders gesagt: der Respekt und die Anerkennung, hier (vielleicht) einen echten Pilger/Wallfahrer vor sich zu haben, wird gut verborgen. Das war in Fischingen und fast allen bisherigen Unterkünften anders. (Da hatte es auch nicht geregnet)
In einer Regenpause schlendere ich nochmal durch die Stadt - allzu groß wird die Runde nicht, da es wieder weiterregnen möchte.

Länge Auf Ab
13.7 km 679 Hm 184 Hm

1A491C51-470D-4693-B3DB-4DC6DD0CCDBAFischingen, 21.06.2021

Ich habe himmlisch gut geschlafen und fühle mich völlig erholt, obwohl auch nachts die Glocken jede Viertelstunde schlugen. Das Bett war so traumhaft bequem und in der Zelle war es so angenehm kühl und still.
Der heutige Tag wird von der 21 geprägt. 21. Hochzeitstag am 21. Juni im Jahre 2021. Ein Fest für Numerologen. Derweil macht meine Frau dort Urlaub, wo es garantiert keine Berge gibt. Und oft auch kein Meer. Watt? Genau! An der Nordsee.
Beim Frühstück bin ich alleine und erfreue mich vor allem des Kloster-Früchtebrots. Dazu ein Spicy-Chai und der Tag kann beginnen!
Bei strahlend blauem Himmel, wie man ihn sich nicht schöner vorstellen kann und Sonnenschein ziehe ich um halb neun los.
Auf schönen Wurzelpfaden im Wechsel mit breiten Schotterwegen geht es hinauf.
Ein Landwirt sorgt für die die würzige Landluft. Allerdings kommt die Gülle, die fein versprüht wird, nicht aus einem Güllewagen, wie ich das kenne, sondern aus einem gaaanz langen Schlauch, der irgendwo neben der Straße im Boden verschwindet. Quasi eine Gülle-Pipeline. Interessant! Besser riechen tut‘s dennoch nicht.
Nach gut eineinhalb Stunden habe ich den Hörnli-Gipfel (1132 m) mit seiner Triangulationspyramide erreicht und damit im Drei-Kantons-Eck den Kanton Zürich erreicht, den ich heute Abend am Zürichsee wieder zu verlassen gedenke.
Da der Hörnli-Wirt irgendwie von meinen Wanderplänen Wind bekommen haben muss, hat er seit letztem Monat den Ruhetag auf Montag gelegt. Im Gegenzug nutze ich nun eines seiner Bänklein, auf denen Picknick explizit verboten ist. Quid pro quo!
Nicht unbedingt knieschonend geht es hinunter nach Steg im Tösstal, wo ich meine Flasche wieder am Brunnen füllen kann. Hier gäbe es sogar einen ansprechenden Laden mit Brötchen und Snacks, aber ich muss noch weiter, bevor ich Mittagspause machen darf.
Bis nach Gibswil verläuft der breite Weg mal entlang der Straße - mal entlang der Bahnlinie. Abwechslung muss sein. Im Volg erstehe ich Salat und Obst und ein paar Gemüsebällchen zum Mittag. Für die verbleibenden zwanzig Kilometer möchte ich keinen Kohldampf schieben.
Im Osten brauen sich immer dunklere Wolken zusammen. Was das wohl noch geben wird?
Der Weg zieht sich nun an der rechten Hangseite nach oben und ich darf dort auf kleinen Sträßchen und Wegen entlangwandern und ins Tal schauen. Das ist abwechslungsreich und macht mehr Spaß.
Nach der x-ten Kuppe beginnen meine Augen zu strahlen. Ich kann plötzlich den Zürichsee sehen. Mit Damm, auf dem mein Tagesziel Hurden liegt. Und sogar die Mythen zeigen sich. Ich freue mich so! Ist aber noch ein gutes Stück bis dorthin.
Vor Rüti führt der Weg hinab zum Fluss Jona und überquert diesen um dann auf der anderen Seite wieder hinaufzuführen und mich auf Waldwegen meinem Ziel näher zu bringen. Als ich mich von einem schwyzerdütschen Spruch auf einer Bank überreden lasse, einen Pause zu machen, ist es eigentlich zu spät. Ich bin die ganze Zeit seit Mittag ohne Trinkpause durchgegangen. Unvernünftig! Um so besser geht es mir jetzt und besonders, als zehn Minuten später auch noch ein Brunnen kommt. Mit bellendem Hund zwar, aber der will nur gestreichelt werden.
Dank der dunklen Wolken über mir brennt die Sonne nicht mehr und es ist unglaublich drückend. Das gibt doch sicher noch ein Gewitter! Noch zehn Kilometer - mal sehen.
Schon kurz darauf fallen die ersten Tropfen und ich hülle mich in meinen Poncho. Ich bin zwar nicht aus Zucker, aber wenn ich warte, bis der Starkregen einsetzt, ist es zu spät. Fünf Minuten später hört es wieder auf. Wie bisher jedes Mal.
In Rapperswil besuche ich noch Schloss und Kirche. Danach geht es auf dem Holzsteg nach Hurden. Es ist schon etwas besonderes, über den Zürichsee zu laufen, zumal der Steg aus senkrecht stehenden Latten besteht, so dass man hindurchschauen kann. Auf einer Seite ist eine Holzwand - auf der anderen Seite nichts außer ein paar dünnen Drahtseilen. (Warum es die Holzwand braucht, erschließt sich mir im Verlauf des Abends noch). Der Autoverkehr verläuft auf dem Damm. Schon seit jeher versuchen die Menschen, die natürliche Seeenge die durch eine Gletschermuräne entstanden ist, zu überqueren. Mindestens seit dem 14. Jahrhundert gibt es hier eine Holzbrücke. (Allerdings ohne Geländer und mit lose aufliegenden Holzbohlen)
Das letzte Stück zieht sich - dabei habe ich den Berg Etzel fest im Blick, dessen Pass ich morgen überqueren möchte. Endlich ist das Ziel erreicht!
Ich checke semi-freundlich bedient im Gasthof Seefeld, der auf dem Damm zwischen Hauptstraße und Bahnlinie eingequetscht liegt, ein. Mein Zimmer hat Blick auf die Bahnlinie.
Eineinhalb Stunden nach meiner Ankunft braut sich ein grandioses Gewitter zusammen. Es fängt an, wie wild zu stürmen, die Gartenterrasse wurde schlagartig geräumt. Das Servicepersonal fängt in Windeseile an, Tische und Stühle, sowie Blumenkübel, die sich gerade selbstständig machen, einzufangen und windgeschützt abzustellen. Die machen das nicht zum ersten Mal.
Auf dem See gibt es nun Wellen, das dunkle Grün hat sich in ein Hellgrün verwandelt. Die Leuchtsignale sind auf Sturmwarnung (90 x pro Minute) eingestellt und die Regenfront kommt näher. (Leider kann ich keine Fotos machen, denn durch geschlossenes Fenster mit Fliegengitter wird das nichts. Und ich hatte gerade meine Not, das Fenster gegen den Sturm zu schließen. Das mache ich sicher nicht mehr auf!).
Sollte ich nicht weggeweht werden, gibt es mit dem morgigen Bericht ein Update.
Fazit: Ein langer Tag mit viel zu viel Teerstrasse, einem schönen Gipfel und einem eindrucksvollen Naturschauspiel.

Länge Auf Ab
35.2 km 739 Hm 949 Hm

7D27566E-618C-4A21-8FEF-BF1EC836F731Amlikon-Bissegg, 20.06.2021

Die Nacht in der „Alten Post“ ist sehr heiss und nur dank des Ventilators erträglich. Es muss auch etwas geregnet haben, denn am Morgen ist alles nass und es ist etwas kühler. Frau Zurbuchen präsentiert ein reichhaltiges Frühstück in ihrem Wohnhaus und ist sehr nett. Ich lerne auch den „Radler“ Samuel kennen, der irgendwann nachts in dem anderen Zimmer eingecheckt ist. Ein toller Kerl aus Lausanne, mit dem ich mich auch gerne noch länger unterhalten hätte. Gute Gespräche sind sowieso etwas, was mir die letzten Tage abgegangen ist. Aber auch so ist es schon zehn Uhr, als ich losgehe.
Über Nebenstraßen und Feldwege erreiche ich Affeltrangen. Dort freue ich mich gemeinsam mit ein paar Kälbchen über einen Brunnen mit frischem Wasser. Ich darf weiterziehen, die süßen Kälbchen müssen bleiben.
Da es heute bedeckt ist, sticht die Sonne nicht so sehr wie die letzten Tage.
Von Münchwilen aus kann ich das Hörnli sehen. Den Berg, den es morgen zu überschreiten gilt und der in jedem Beschrieb explizit erwähnt wird. Allein, mir fehlt die Ehrfurcht. Noch.
An vielen Bauernhöfen bin ich heute schon vorbeigekommen und viele Kühe habe ich gesehen. Immer nur im Stall. Nie auf der Weide. Ist das, weil Sonntag ist? Sind das die glücklichen Thurgauer Kühe? Ich verstehe das nicht.
In Münchwiler geht es entlang der Murg (hat nichts mit der schwarzwälder Murg zu tun) nach Sirnach, wo ich endlich am geschlossen Restaurant Säge unter einer uralten Linde Mittagsrast mache. Leider sieht es gerade nicht so gut aus mit dem Wassernachschub.
Weiter geht es mit viel Teerstrasse. Erst kurz vor Oberwangen mal ein Stück Waldweg. Eigentlich nichts besonderes, aber heute schon. Wie sehr freue ich mich über den Brunnen in Oberwangen! Richtig satttrinken und abkühlen vor dem letzten Stück bis Fischingen. Sooo typisch - die ganze Zeit gibt es kein Wasser - und jetzt gleich vier Brunnen in einem Ort.
Auf die letzten paar Kilometer versucht sich der Weg mit mir zu versöhnen - ein schöner Wurzelpfad führt nun auf einen Hügel und wieder hinunter und schon ist Fischingen ist erreicht. Am Ende des Dorfes thront das Kloster und dahinter ist wieder das Hörnli mit doch über 1000 Metern Höhe zu erblicken.
Mit Glockenschlag 16 Uhr bin ich da. Was sehen meine vertrockneten Augen? Es gibt eine Klosterbrauerei, die sogar noch geöffnet hat. Schnell mal schauen. Wäre ich früher dagewesen, hätte ich auch noch eine Verkostung machen können. Aber da um 16 Uhr geschlossen wird, bleibt mir, einen 4er-Pack gemischtes Gebräu zu erstehen. Der Abend ist noch lang - und wenn ich so in mich reinfühle, bin ich nicht nur leicht dehydriert, sondern definitiv unterhopft. Dem muss entgegengewirkt werden. (Bin gespannt - normalerweise trinke ich nur alkoholfrei. Sind ja zum Glück kleine Fläschchen)
Beim Check-in ins Kloster-Hotel schiebt mir die Dame zum Abschluss den Schlüssel rüber und ich lese „Andreas“ - und staune nicht schlecht. Personalisierte Schlüsselanhänger? Das habe ich ja noch nie gesehen. Sie sagt dann „Sie sind im Zimmer ‚Andreas‘ im zweiten Stock“ und ich lache los…
Sie schaut erst verwundert - blickt dann auf den Anmeldebogen - und dann dämmert es ihr auch. Tja - ist halt prima, wenn man nicht Kevin oder Justin heißt.
Ich finde den Weg durch das riesige Klostergebäude und betrete meine überraschend große Zelle mit eingebautem Nassbereich. Schlicht. Hochwertig. Still. Kühl.
Mangels Alternativen habe ich mich dazu hinreißen lassen, mich auf das 3-Gänge-Menü einbuchen zu lassen. Ich werfe mich also in Schale (Zweitgarnitur) und bemerke, wie ungewohnt sich eine lange Hose anfühlt.
Im Restaurant sind nur drei Gäste und ich kann meinen 3-Gang-Wunsch einfach revidieren und so bekomme ich zu dem leckeren Brot mit Creme einen fabelhaft angemachten gemischten Salat mit Nüssen und Kernen und danach einen mit Gemüse gefüllten Crepe/Wrap mit leckerer Soße. Richtig fein! Den Nachtisch (3. Gang: Obstsalat mit Sorbet) lasse ich zuckerbedingt sehr gerne ausfallen. Während wir essen, geht draußen ein unglaublicher Gewitterregen nieder, der nach zehn Minuten vorbei ist. Kurz darauf kommen vier (deutsche) Tages-Wanderer, die man erwartet, aber inzwischen abgeschrieben hatte, recht verdreckt und teilweise nass rein. Sie waren vom Wetter überrascht worden und mussten sich unterstellen….
Die Ankunft dieser Leute beendet leider das Gespräch, was ich quer durch den Raum mit den beiden anderen Gästen geführt hatte, ein älteres Ehepaar, das aus Luzern kommt und derzeit hier e-Bike fährt.
Nachdem nun die Grundlage für meine Bierverkostung gelegt ist, schreite ich frohen Mutes voran - unter Studium der Bier-Broschüre. Mann ist das kompliziert für jemanden, der bisher nur Weizen und „Normal“ kennt, sowie mit/ohne Alkohol.
Ich merke bald, dass ich mich heillos überschätzt habe und ein Rest übrig bleiben wird. Ich will ja morgen weiterwandern! Egal! Manchmal muss man auch mal was spontan entscheiden. Dauer-Zaudern ist auch Mist.

Fazit:
-Viel gelernt heute!
-Wer gerne ein Kräuter-Entspannungsbad nimmt, sollte mal das Pilgrim Waldbier versuchen. Das schmeckt so. (Nach zwei Schlucken zum Probieren hat das dann nicht „in meine Bauchnabel“ geprickelt, sondern im Ausguss. Schade drum, aber geht für mich gar nicht).

Länge Auf Ab
24.7 km 431 Hm 243 Hm

CE9D53FC-4A1D-4B76-8BF9-1FAEB32AA80DKreuzlingen, 19.06.2021

Die Nacht verlief ruhiger als erwartet. Falls laute Partys stattfanden, so habe ich sie verschlafen. Insgesamt war die Hitze der Nacht sehr schweißtreibend und so begebe ich mich erst nach einer kalten Dusche zum Frühstück. Es gibt sehr gutes Brot und das erste Mal sehe ich Rührei. Das muss an der grenznahen Lage liegen.
Ich lasse es sehr ruhig angehen und daher ist es nach neun Uhr, bevor ich losziehe.
Ich benötige einige Zeit, bis ich etwas Obst und Hummus für den Tag eingekauft habe. Klar, es ist Samstag Morgen. In der Einkaufsstraße erfreuen ich mich an den vielen Kreidebotschaften, die zum Teil sehr kunstvoll auf die Straße gemalt wurden.
Und jetzt gehe ich erstmal zum richtigen Grenzübergang, damit der E1 der Schweiz „offiziell“ starten kann. Was auffällt ist, dass die Menschen viel seltener freundlich zurückgrüssen, als in der Zentralschweiz. Vielleicht hängt das DOCH mit den Bergen zusammen?!
Durch Wohn- und Industriegebiet verlasse ich Kreuzlingen. Bald schon geht es in ein Wäldchen und ich freue mich über den Schatten und das Gezwitscher der Vögel und folge dem Kreuzweg durch den Saubachtobel bis zur Kirche in Bernrain.
Von Ellighausen wandere ich auf Teerstrasse durch die sanft hügelige Landschaft. Entspannung für die Augen. Über ein längeres Stück begleitet mich eine e-Bikerin und erzählt davon, wie sie ihre Tochter von Lungern nach Schwarzenburg auf dem Jakobsweg begleitet hat und wie die Tochter dann alleine weiter nach Santiago ist. (Weil es ihr auf dem Hauptweg (auch) zu voll war, auf dem Camino an der Küste (das müsste der Camino del Norte sein)).
Eigentlich könnte ich sofort aufhören zu arbeiten (bzw. nicht wieder anfangen) und hätte genügend Ideen, wo ich entlangwandern könnte und möchte. Und nochmal „richtig“ und ungeplant durch die Schweiz zu pilgern gehört dazu.
Nach Lippoldswilen darf ich nochmal schön durch den Wald wandern - vorbei an einer Grillstelle am Flüsschen an der die Eltern grillen, während die Kinder im Bach baden.
Im Örtchen Wald ist an einem alten Fachwerk-Hof ein Brunnen und ein Bänklein im Schatten. Prima! Hier und jetzt ist Mittagspause.
Bald darauf folgt ein Hügelchen (vermutlich Wasserreservoir) mit ein paar Bäumen. Eine Bank im Schatten, ein stetes Lüftchen. Hier lege ich mich für eine ganze Weile hin , genieße und döse vor mich hin.
Da ich nun völlig erholt bin und es zum Ziel nicht mehr weit ist, lasse ich mich im nächsten Örtchen dazu überreden, einen Abstecher zur Jakobikirche in Märstetten zu machen. Da es nur 15 Minuten sein sollen, kann das ja nicht sehr welt sein. In Märstetten stehen viele schöne Fachwerkhäuser - auch die Pilgerherberge befindet sich in einem solchen. Die Kirche ist selten schlicht und etwas Besonderes.
Zurück auf dem Weg, darf ich bestaunen, dass auch Erdbeeren im riesigen Folienhäusern gezogen werden. Da muss man sich beim Pflücken gar nicht bücken! Nach wirklich unschöner Straßenberührung folgt zur Versöhnung und zum Abschluss der heutigen Etappe noch ein Waldstück. Nur noch schnell (entlag der Straße) die Thur überqueren und schon bin ich da.
Fun-Fact: ich muss so alt werden, um dann in Amlikon zu sehen, wie Knoblauch angebaut wird! War mir echt unbekannt. Und hier gibt es große Felder voll mit dem Zeug. Brauche ich heute Nacht keine Angst vor Vampiren haben.
Auch in Amlikon-Bisseg ist es unglaublich heiß. Hier wird sogar völlig bekleidet im Dorfbrunnen gebadet. (Da das Kinder sind, lasse ich das mit dem Foto lieber).
Heute verbringe ich das erste Mal eine Nacht in einem B&B. Da ich bei Ankunft noch der einzige Gast bin, ist das mit dem Gemeinschaftsbad sehr entspannt.
Im Dorf gibt es zum Glück einen Dorfladen, der einen an 360 Tagen mit dem Nötigsten versorgt. Und das nur zu leicht höheren Preisen wie ein Coop/Migros. Nachteil des Zimmers ist die Dachschräge, so dass ich nicht im Bett sitzen kann. Und es ist natürlich gut warm - immerhin gibt es einen Ventilator.
Die Fragen des Tages:
-Wie ist das möglich, sich am fast zwanzigsten Tag eine (zum Glück kleine) Blase zu laufen?
-Was war heute im hohen Gras, dass die Waden so einen tollen Ausschlag haben? Naja - wird ja hoffentlich wieder.

Länge Auf Ab
22.2 km 278 Hm 255 Hm

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