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Via Jacobi (CH)

Die Via Jacobi führt in der Schweiz vom Bodensee nach Genf. Sie ist Teil des Europäischen Jakobswegs und ist gesäumt von Klostern und Kapellen. Auf historischen Wegen führt der Weg durch abwechslungsreiche Kulturlandschaften.

Ich bin auf die Via Jacobi aufmerksam geworden, weil der E1 vom Bodensee bis zum Vierwaldstättersee gemeinsam mit der Via Jacobi verläuft. Aufgrund der Reisebeschränkungen in Deutschland entstand der Plan, stattdessen die Via Jacobi von der französischen Grenze bei Genf bis an den Vierwaldstättersee quasi entgegen der vorgesehenen Richtung zu erwandern und dann vom Bodensee bis zum Vierwaldstättersee die Schweiz-Durchquerung abzuschließen.

Auf der Karte sind die gewanderten Etappen eingezeichnet - die Tourenbeschreibungen befinden sich weiter unten. 

Etappen Länge Auf Ab
23 483.1 km 9243 Hm 9180 Hm

Tag 00 - Anreise nach Genf

0616360F-0375-4CF2-92B1-FA80760B4D0EBasel, 29.05.2021

10:03 Basel SBB - Bitte einsteigen!! Jetzt geht es los.
Ich fahre mit dem Zug über Biel nach Genf. Vor mir liegen gut fünf Wanderwochen. Eine Kombination von vier Wochen Kurz-Sabbatical mit zwei Wochen Urlaub machen dies möglich. Heute ist Anreisetag - ab morgen wird gewandert. Die Vorhersage für die nächste Woche prognostiziert trockenes, sonniges Wetter mit Höchstwerten in den Zwanzigern. Besser geht's nicht!
Der Check-in im bahnhofsnah gelegenen Hotel Terminus verläuft reibungslos. Ohne Ballast starte ich also meinen Stadtrundgang. In einem libanesischen Restaurant mit Straßentischen bekomme ich ein leckeres Falafel-Sandwich und genieße es, nach einer gefühlten Ewigkeit mal wieder draußen essen zu können.
An der Wasserkante angekommen, genieße ich die Aussicht. Einfach fantastisch. Berge, See und Sonne!
Vor dem Bürositz des UN-Generalsekretärs für Menschenrechte findet eine Demo mit vielen algerischen Flaggen statt. Ich halte etwas Abstand und flaniere weiter.
Mit einer gelben Mouette (-bedeutet eigentlich Möwe, meint aber ein kleines Fährschiff-) setze ich vom Port Noir de Châteaubriand auf die andere Seeseite über. Dank inklusivem ÖPNV-Ticket bei Hotelübernachtung sogar kostenlos.
An den Stränden ist einiges los, wenn auch nur wenige Kinder im Wasser spielen. Ich erreiche den kleinen Englischen Garten mit der berühmten Blumenuhr, die an die Uhrmachertradition von Genf erinnert, als aus den dunklen Wolken ein leichter Nieselregen beginnt. Und das, obwohl die Wetter-App dies verneint. An Luxus-Einkaufsgeschäften aller (mir) bekannter Marken vorbei schlendere ich bergauf in die Altstadt. Schmale historische Gässlein zeigen die völlig andere Seite von Genf. Auch an dem Wohnhaus von Calvin (Nicht Calvin Klein, sondern dem Reformator Johannes Calvin) führt mich mein Weg vorbei. Die Kathedrale Saint-Pierre ist glücklicherweise geöffnet, sodass ich einen Blick hineinwerfen kann.
In einem COOP erwerbe ich etwas Wasser (Durst!!!), Proviant für das morgige Mittagessen, sowie eine Kleinigkeit für den Abend. Auf einer bequemen Parkbank mit Blick auf die beeindruckende Wasserfontäne „Jet d‘Eau“ lasse ich die Eindrücke auf mich wirken.

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Tag 01 - Von der französischen Grenze nach Genf

EC38CD17-4849-4758-8C56-FDCE06B189F6Genf, 30.05.2021

Die letzte Nacht war etwas unruhig. Zwar isolierte das Fenster ziemlich gut gegen den Straßenlärm, aber die „Verkehrsgeräusche“ aus dem Nachbarzimmer zur Linken waren mindestens genauso störend, wie die Unterhaltung aus dem Zimmer zur Rechten. Ich öffnete also das Fenster, um dies zu übertönen und konnte dennoch ewig nicht schlafen.
Das Frühstück besteht aus abgepackten Brötchen/Croissants, Marmelade und einem kleinen, eingeschweißten Stück Käse, sowie einem Erdbeerjoghurt. Für eine zuckerarme Ernährung ist es nur bedingt geeignet.
Ich benutze den Zug und Bus und fahre nach Charrot - dem letzten Ort vor der Grenze. Strahlender Sonnenschein und ein blauer Himmel begrüßen mich. Nie hätte ich gedacht, dass ich gleich heute meine langen Hosenbeine abzippen werde und Sonnenbrille und Sonnencreme benötige.
Ich gehe zur Grenze nach Frankreich, wo man sich per Schild ordentlich von den Jakobsweg-Pilgern verabschiedet und beginne meinen Weg durch die Schweiz entgegen der vorgesehenen Pilgerrichtung. Nach der Nacht in Genf wirkt die Ruhe - vom lauten Vogelgezwitscher mal abgesehen - noch beruhigender.
In der Kirche im nächsten Ort, in dem richtige Pilger ihren Stempel abholen würden, halte ich einen Moment inne.
Jetzt geht es auf einem schönen Pfad durch die Natur, bevor nach wenigen Kilometern die Ausläufer von Genf erreicht sind. In Serves mache ich Pause. Eigentlich ist es noch viel zu früh, aber ich möchte die Sonne und Ruhe noch etwas genießen.
Obwohl die Besiedlung dichter wird, ist der Weg so gelegt, dass dies erträglich bleibt. Die Markierung ist fantastisch - kein einziges Mal habe ich bisher das GPS verwenden müssen.
Ich überquere die Arve und wenig später nähere ich mich dem Herzen von Genf. Im „Parc de Bastion“ befindet sich sowohl das Denkmal für die Gründung des Roten Kreuz, als auch das monumentale Reformationsdenkmal. Ich lese etwas über dessen Entstehung und wandere weiter in die Altstadt. Hierher hat mich meine Erkundungstour schon gestern gebracht, jedoch wirken die Kirchen und die anderen historischen Gebäude bei dem heutigen Traumwetter weniger trist.
Nach einer Siesta ziehe ich nochmal ganz ohne Ballast durch die Straßen - es ist einfach wunderbar!

Länge Auf Ab
10.9 km 55 Hm 147 Hm

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Tag 02 - Von Genf nach Chavannes-de-Bogis

C9A281D6-0FAD-4E3C-AC04-53D4FCF83A70Genf, 31.05.2021

Die letzte Nacht verlief deutlich ruhiger und auch an das Frühstück habe ich mich inzwischen gewöhnt. Auch wenn das Stück Käse nicht groß ist, handelt es sich doch zumindest um 27 g leckeren Gruyere. Je mehr ich darüber nachdenke, desto besser gefällt mir das im Vergleich zu unbegrenzt viel Analog- oder Billigkäse auf irgendeinem Frühstücksbuffet.
Kurz nach 8:00 Uhr wandere ich los und schon an der Seepromenade muss ich den Pulli ausziehen und Sonnencreme auftragen. Ich mag das schmierige Gefühl (müsste ich Textur sagen?) von Sonnencreme zwar nicht, aber einen Sonnenbrand kann ich noch weniger gebrauchen.
Bald darauf verlasse ich das Seeufer und am riesigen Gebäude der Welthandelsorganisation (WTO) auch den offiziellen Weg. Ich finde es reizvoller, durch den botanischen Garten zu wandern, als direkt entlang der Hauptstraße.
Vorbei an der italienischen Botschaft und einer Vielzahl riesiger UN-Bauten und -Baustellen zieht sich der Weg schweißtreibend den Hang hinauf ins kleine Örtchen Pregny. Hier hätte es sogar nochmal Trinkwasser aus dem Brunnen gegeben. Heute verlasse ich zweimal den Jakobsweg zugunsten des Alpenpanorama-Wegs. Dieser ist zwar etwas länger, verläuft jedoch angeblich landschaftlich interessanter (schöner Blick ins Jura!) und definitiv günstiger zu meiner heutigen Unterkunft in Chamanne-de-Bogis. Die erste „Schleife“ des Alpenpanorama-Wegs hätte ich mir jedoch schenken können, denn ein paar hundert schöne Meter durch den Wald werden durch eine laute Passage entlang der Autobahn zunichtegemacht.
In Genthod genieße ich die Alpensicht. Der Montblanc hängt etwas in den Wolken, aber sich darüber zu beklagen wäre Jammern auf zu hohem Niveau.
Ein paar Kilometer später fallen mir verschiedene 5er-Gruppen Jugendlicher auf, die mit Karten durch die Gegend wandern, allerdings nicht immer den gleichen Weg wie ich. Es ist so lustig, als ich bei einer Umleitung wieder auf ein Grüppchen treffe: Die Jungs brüten noch schimpfend über der Karte, während die beiden Mädels den „alten unrasierten Mann“ (mich) ansprechen und fragen, ob ich ihnen auf der Karte zeigen könne, wo wir gerade seien. Zum Glück sprachen sie gut Englisch und alle seien wegen eines internationalen Wandertags unterwegs. Witzig!
Inzwischen habe ich alles Städtische hinter mir gelassen und genieße den Wald. Als ich bemerke, dass wenige Meter neben dem offiziellen Wanderweg (breiter Forstweg) auch noch ein schmaler Pfad direkt an der Versoix entlang führt, greife ich routenoptimierend ein. Es ist so traumhaft! Nur noch Vogelgezwitscher und das Rauschen der Versoix, die mit überraschend starker Strömung vor sich hin mäandert. Wenig später finde ich sogar eine ziemlich alte Bank - seit ich die Stadt verlassen habe, gab es nämlich keine mehr - und mache nach knapp 20km Mittag. Das Brot und der Käse schmecken hier nochmal so gut.
Noch ein gutes Stück gehe ich weiter, bevor ich traurig von der Versoix Abschied nehme. Danach wechsle ich auf einen geteerten Radweg und dann direkt auf eine vielbefahrene Straße ohne Fußweg oder Seitenstreifen. Immerhin gibt es auch keine Leitplanke, sodass man sich einfach ins hohe Gras retten kann, wenn es mal wieder zu eng wird. Da der Weg echt doof ist, suche ich mir eine Alternative, die mich direkt ins Manor-Shopping-Center bringt. Hier kaufe ich für den Abend ein, denn mein Hotel hat heute Ruhetag. Kurze Verwirrung, weil ich mit einem alten Hunderter zahlen will, der seit April 2021 nicht mehr genommen wird. Im Hotel (Auberge Le Relais, Chavannes-le-Bogis) bin ich ihn anstandslos losgeworden. Der Herr schaute sogar komisch, weil ich gefragt hatte. Kann aber auch an meinem eingerosteten Französisch gelegen haben.
Fazit der heutigen Etappe:
-Die Geldausgeber der Staaten wissen, wo es schön ist und setzen ihre Gebäude dorthin.
-Top-Highlight der Wanderung ist das Stück entlang der Versoix. Hier lohnt es, den markierten Hauptweg zu verlassen.
-Die Sonne hat Kraft! Habe 3 Liter Wasser getrunken und fühle mich dennoch „erhitzt“.


Länge Auf Ab
27.5 km 267 Hm 168 Hm

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Tag 03 - Von Chavannes-de-Bogis nach Nyon

7EB5217C-31CE-409B-B6AB-02AF4847EC34Chavannes-de-Bogis, 01.06.2021

Das Hotel der letzten Nacht war echt der Hammer! Im positiven Sinne. Ich habe nichts gefunden, was ich auszusetzen gehabt hätte. Sogar schnelles WLAN. 60 MBit laut meiner Messung. Und das in einem ländlichen Ort mit gerade mal tausend Einwohnern. Alles war super stylisch und dennoch praktisch eingerichtet. Das Frühstück war qualitativ hochwertig, allerdings für Wanderer etwas spärlich. Soweit ich das gelernt habe, ist das für frankophone Regionen eher üblich.
Als ich um kurz nach acht loswandere brennt die Sonne schon wieder vom wolkenlosen Himmel.
Der Blick auf den immerhin zweithöchsten Berg des Schweizer Jura „La Dôle“, den man gut an der Radarstation erkennt, entschädigt für den langweiligen Betonplatten-Feldweg. Heute ist auch der Rucksack etwas leichter, denn es steht ja nur eine Halbtagswanderung auf dem Programm.
Eine wenig befahrene Straße führt mich unter der Autobahn hindurch und als Allee (Schatten!) zum Château de Bossey. Keine Ahnung, warum es "Château" heißt. Für mich gibt es hier nichts Sehenswertes. Bald darauf öffnet sich der Blick in Richtung Genfersee und die Alpenkulisse dahinter. An den schneebedeckten Gipfelriesen kann ich mich einfach nicht sattsehen, auch wenn ich deren Namen meist nicht kenne.
Eine kurze, schön Waldpassage mit Bachüberquerung bringt mich in das nächste Dörflein. Ein Schluck Wasser aus dem Brunnen (Eau potable) - und schon geht es weiter.
Ich muss schmunzeln, als ich in Céligny den Straßennamen „rue des belles filles“ lese. Das waren andere Zeiten!
Entlang einer Straße wachsen eine ganze Reihe chinesischer Blauglockenbäume, die schon fast ausgeblüht haben und immer noch einen betörenden Duft verströmen. Wenn man hier morgens 5 Minuten auf den Bus warten muss, kann man sich das Parfum sparen. Man merkt die deutlich südlichere Lage im Vergleich zum Hochtaunus, wo vor 2 Wochen noch Frostnächte vorkamen.
Im Schatten mache ich kurz darauf eine längere Pause und nehme ein zweites Frühstück ein. Es ergibt auch keinen Sinn, viel zu früh in Nyon anzukommen. Hierbei informiere ich mich auch über den reichlich verwirrenden Grenzverlauf der Kantonsgrenze mit den Genfer Enklaven. Ab jetzt bin ich also definitiv im Kanton Waadt.
Als ich wenig später die Teerstraße verlassen darf und der Weg durch den Wald führt, höre ich plötzlich laute und seltsame Geräusche. Erst denke ich an Enten und gehe dem Geräusch nach. Ich stoße auf einen mit Schilf bewachsenen Tümpel - die Quelle des ohrenbetäubenden Froschgequakes. So habe ich das noch nie erlebt!
Nyon erreiche ich schon kurz vor Mittag. Da ich (dank zweitem Frühstück) noch keinen Hunger habe, gehe ich erst einmal zum Schloss mit der tollen Aussicht, die auch ganz viele der Schüler/Studenten zu schätzen wissen und hier ihre Mittagspause verbringen. Durch die Altstadt schlendere ich bergab zur Schiffsanlegestelle, wo ich glücklicherweise einen schattigen Platz unter einer Platane finde, die Schuhe ausziehe und es mir bequem mache.
Nachdem ich genug herumgelegen bin, esse ich im Migros-Restaurant eine Kleinigkeit und kaufe auch gleich für den Abend ein, damit ich später nicht mehr losmuss. Das einfache Restaurant direkt bei der Unterkunft hat nämlich am Dienstag Ruhetag. Auf dem Weg zum Hostel sehe ich, dass es noch einen Bio-Laden und einen Döner in Laufnähe gegeben hätte. Aber jetzt ist es auch gut, wie es ist. Im Hostel warte ich auf der beschatteten Terrasse, bis es 16:30 Uhr ist und die Rezeption öffnet.
Nachdem ich in meiner „Suite“ im Hostel Nyon eingecheckt und mich und meine Klamotten gewaschen habe, lasse ich es mir auf meinem Privatbalkon gut gehen.
Fazit: Die heutige Etappe war etwas kurz und zu etwa 90 % geteert. Das super gute Wetter hat dies zu einem schönen, entspannten Tag gemacht... 

Länge Auf Ab
15.5 km 95 Hm 153 Hm

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Tag 04 - Von Nyon nach Alleman

5EC2CEFA-6BFD-4E58-B9F1-8C80F4C9E174Nyon, 02.06.2021

Gestern Abend überraschte mich noch ein Gewitter und ich musste die zum Trocknen auf dem Balkon hängende Wäsche schnell in Sicherheit bringen. Ansonsten verlief die Nacht ruhig und ereignislos. Das Frühstück ist einfach - kommt mir aber sehr entgegen. Müsli, Joghurt und frisches Brot mit Frischkäse sollte mir mehr Energie bringen, als das Croissant und die Scheibe Toast von gestern.
Ob der Wettervorhersage und des grauen Himmels packe ich die Regensachen weiter nach oben in den Rucksack und wandere wieder um kurz nach acht los.
Das Schloss in Pangrins beeindruckt mich nicht zuletzt durch den riesigen, gepflegten Garten.
Mit 16 Grad ist es heute deutlich kühler - dafür aber schwül. Die dunklen Wolken lassen hier und da Sonnenstrahlen durchscheinen, was für extrem stimmungsvolle Aussichten sorgt.
Am Strandbad von Promenthoux sind die Frühschwimmer aktiv. Bei 15,8 Grad Luft- und 14,8 Grad Wassertemperatur definitiv nichts für mich!
Warum es jetzt anfangen muss zu tröpfeln, ist mir unklar. Sicherheitshalber hole ich meinen Poncho heraus und mache diesen einsatzbereit. Da ich diesen seit dem Jakobsweg im Jahre 2012 nicht mehr verwendet habe, darf ich die Technik neu erlernen. Der Trick besteht ja darin, den Poncho so über dem Rucksack zu drapieren, dass man zuerst diesen aufsetzen und danach den Poncho über den Kopf ziehen kann. Und wenn es aufhört zu regnen, kann man den Poncho wieder nach hinten werfen. Ich denke, ich werde das bald wieder beherrschen. Nach 5 Minuten hört das Getröpfel auch schon wieder auf.
Nach einem schönen Naturschutz-Waldstück befinde ich mich nach einer Straßenunterquerung auf dem „Sentier des Toblerones“ entlang des Flüsschens Promenthouse. Was süß klingt, hat einen bitteren Hintergrund. Gemeint ist keine Schokolade, sondern die Toblerone-ähnlichen Panzersperren, die hier 1940 als Teil der Promenthouse-Verteidigungslinie gebaut wurden, als Hitler-Deutschland im 2. Weltkrieg begann, neutrale Staaten anzugreifen. Dicht an dicht reihen sich 3000 solcher „Tobleronen“ über 10 km vom Fuße des Jura bis an den Genfersee.
Bald erreiche ich das Industriegebiet von Gland - und wundere mich über die Raffel-Fassade des großen RZ-Betreibers SafeHost. Bei einem portugiesischen Frucht(groß)handel erwerbe ich eine Nektarine und einen Pfirsich. :-) Lecker!
Abwechslungsreich führt mich der Weg nun nach Rolly. Hier gesellen sich normale Wohnhäuser zu Prachtvillen mit fantastischem Blick auf den Genfersee und das Alpenpanorama.
Ich erreiche Bursinel und freue mich darüber, dass es Menschen gibt, die (echte) Pilger unterstützen und ihnen eine Ruhebank und Erfrischung/Obst anbiete. In der Kirche lese ich die Einträge im Pilgerbuch. Tatsächlich gab es schon im Februar/März Pilger, die als Ziel Santiago angegeben haben. Die meisten pilgern jedoch vom Bodensee (Rohrschach) nach Genf. Heute sind mir vermutlich mindestens 2 Paare und 2 Einzelpilger begegnet. Ich vermute das aufgrund der „Ausrüstung“ - richtig sicher bin ich mir nicht, da niemand eine Jakobsmuschel trug.
Interessant ist auch ein Brunnen, der sowohl Trinkwasser als auch Nicht-Trinkwasser speit.
Ich erreiche Rolle, und der Regen, der mich seit Bursinel begleitet, lässt nach. Die Schultern sind nass - der Rest ist trocken geblieben. Ob ich den Poncho vielleicht hätte neu imprägnieren müssen?
Das „Cap Breton“, wo ich aufgrund meiner Internet-Recherche einen herzhaften Crêpe zu Mittag essen wollte, ist leider voll und wegen Covid möchte ich mich auch an keinem Tisch dazusetzen.
Eigentlich habe ich noch ein Stück Brot dabei, sehe aber keine Hoffnung einen überdachten Picknickplatz zu finden (es nieselt nämlich immer noch leicht). Bei einem Döner kann ich überdacht draußen sitzen und eine Kleinigkeit essen. Tut das gut, die Füße mal ausstrecken zu können!
Der Weg zieht sich nun durch die Weinberge und trotz des trüben Wetters ist es schön. Man kann jedoch weder Genf (ca. 35 km) noch Lausanne (ca. 25 km) deutlich erkennen.
In Allaman residiere ich im Schloss. Im Hof befindet sich ein Weinausschank. Ich kann zum Glück auch schon vor 16 Uhr einchecken. Das Zimmer hat nicht nur WLAN mit 208 MBit(!), sondern auch eine Küchenzeile, sodass ich dankend das Frühstücksangebot (für schlappe 14 Franken) ablehne und mich gleich auf den Weg zum Coop mache. Dank Mikrowelle gibt es heute sogar ein warmes Abendessen. (Das argentinische Fleischrestaurant hat es mir sowieso nicht angetan und zudem heute Ruhetag)
Fazit:
Regen ist nass - trotzdem kann es schön sein.
An manchen Tobleronen kann man sich bitter die Zähne ausbeißen.

Länge Auf Ab
24.7 km 222 Hm 242 Hm

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Tag 05 - Von Alleman nach Lausanne

814B8A4D-068D-43B4-B9EF-066B2A2BD0EBAlleman, 03.06.2021

Pünktlich um kurz nach acht ;-) wandere ich auch heute los. Nach einer zu großen Portion Haferflocken mit Hafermilch und einigen Weintrauben bin ich pappsatt. Der Himmel ist bedeckt und es ist 17° schwül. Auf nach Lausanne!
Von Dorf zu Dorf führt mich der Weg durch die Schweizer Riviera näher an mein Tagesziel heran. Ganz schön schön hier, auch wenn es heute so trüb ist, dass man die andere Seeseite und die Berge nur erahnen kann.
Vor Morges biegt der Weg urplötzlich steil hinab zu einem Bach, dem ich ein Stück auf dem „Sentier de la Truite“ (Forellenweg) folgen darf. Dieser extra Kilometer, bringt mir mehr Kraft, als er kostet. Das ist das Natur-Highlight des Tages!
Ich wandere vorbei an den Anlegeplätzen mit den immer größer werdenden Booten zur Strandpromenade mit Schloss und altem Casino von Morges. Alles ist hier super sauber und gepflegt.
In einem Vogelschutzgebiet steht eine Bank direkt am See. Ich nutze den traumhaften Platz für mein Mittagessen. Dieses besteht aus einem Rest Hafermilch, einem Reststück Brot, einem Reststück Karotte und etwas Gruyere. Jetzt kann mein Rucksack kaum mehr leichter werden.
In St. Sulpice freue ich mich erneut über die vielen, sauberen öffentlichen Toiletten und fülle meine Wasserflasche nach. Von hier aus habe ich erstmals Sicht auf Lausanne.
Was mir wirklich auffällt, ist, dass von Genf bis hierher wirklich (fast) alle Leute nett grüßen. Sogar Radfahrer!
Wenig später erreiche ich die super gepflegten Strände von Lausanne mit einem angrenzendem Park. Hier ist schon richtig was los! Und mir tun meine Füße weh. Wieder sehr viel Teer heute. Ich muss mich recht bald von den Badenixen trennen, da der Wanderweg zur Stadt abbiegt. Den angeblich sehenswerten Hafen Ouchy muss ich wohl später noch besuchen gehen.
Hinweisschilder machen mich auf ein altes Mosaik aus dem 1. Jahrhundert aufmerksam. Ich schaue dieses an und wandere durch die Mauerreste aus gallorömischer Zeit. Ich weiß, dass ich ignorant bin, aber so alte Steine können mich echt nicht begeistern. Zum Glück gibt es auch eine Schautafel, die darstellt, wie Lousonna im 1.-4. Jahrhundert ausgesehen haben soll und dies auch auf Deutsch beschreibt. Das finde ich interessant.
Durch einen schönen Park geht es hinauf in die am Hang liegende Stadt. Inzwischen brutzelt die Sonne ganz schön (24 Grad) und mir läuft die Brühe….
Ich erreiche den „Place de l‘Europe“, an dem sich das Ibis Styles befinden soll und bin richtig geflasht. Auf verschiedenen Ebenen tummeln sich Unmengen an Menschen. Ich irre eine Weile orientierungslos mit Google Maps umher und sehe es endlich!
Beim Check-in geht das Staunen weiter. Ich habe ein Mini-Zimmer - mit Graffiti dekoriert (von berühmtem Street-Art-Artist) - und eine im Zimmer eingebaute Nasszelle. Die Nische mit dem Waschbecken ist so schmal, dass ich mir nicht einmal mein verschwitztes Gesicht richtig waschen kann, weil die Schultern zu breit sind, um mit dem Kopf über das Waschbeckchen zu gelangen. Dafür gibt es einen Schminkspiegel, eine Nespresso-Maschine und 3 Kondome. Genau das, was der Wanderer braucht! Der Rezeptionist wollte mir auch unbedingt noch erklären, welche tollen Vergünstigungen ich ab 23 Uhr in den umliegenden Clubs erhalte und wie ich nach Mitternacht wieder reinkomme.
Die ÖPNV-Fahrkarte werde ich wohl eher zum Einsatz bringen.
Aber erstmal eine Wäscheleine spannen, die Socken waschen und dann kurz die Beine hochlegen….
Die berühmte Kathedrale finde ich problemlos. Zwei Organisten spielen ein paar Stücke an - vermutlich die Vorbesprechung eines Gottesdienstes - und ich genieße den vollen Klang der riesigen Orgel, der durch das gotische Kirchenschiff erklingt.
Den Plan, mir noch den Hafen anzuschauen, verwerfe ich, als ich sehe, wie viele Menschen in die Busse und Metro strömen. Und zweimal gut zwei Kilometer sind mir jetzt echt zu weit! Also schlendere ich noch etwas durch die Altstadt und durch die Restaurantmeile. Hier reiht sich Restaurant an Restaurant an Shisha-Restaurant. Alles ist voll - das blühende Leben. Hier gibt es kein COVID! Ich gehe bei der Migros für morgen einkaufen. Genug für heute!
Als ich beim Hotel ankomme, nutze nun doch noch den Gutschein für ein Gratisgetränk in einer schattigen Ecke im Straßenlärm - die Dachterrasse ist, soweit ich das sehe, schon bumsvoll. Mit einem kleinen Hellen vom Fass läuft der Tagesbericht gleich noch flüssiger. (Gab leider kein alkoholfreies - und ich spüre es schon).
Fazit:
-Augen auf bei der Hotelwahl. Es gibt mehr Kriterien, als die Zimmerausstattung.
-Auch bei bedecktem Wetter Sonnencreme nicht vergessen.

Länge Auf Ab
25.4 km 193 Hm 114 Hm

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Tag 06 - Von Lausanne nach Moudon

2602578D-9B1C-439A-B22C-286D2897A22BLausanne, 04.06.2021

Ich habe überraschend gut geschlafen. Es muss ruhig gewesen sein, letzte Nacht, abgesehen vom normalen Hintergrundgeräusch der Großstadt.

Ich frühstücke etwas Brot mit Käse und kann die Nespresso-Maschine dazu bewegen, heißes Wasser für einen Tee von sich zu geben. Eine kurze SMS-Kommunikation mit der nächsten Unterkunft wird aufgrund meiner Dual-SIM-Inkompetenz kostspielig.

In der Nacht und auch heute Morgen noch hat es geregnet. Im Waschküchen-Klima nun also hinauf zur Kathedrale und zum Château Ste. Maire. Besonders beeindrucken mich nicht (nur) die einzelnen Gebäude, sondern diese quasi komplett erhaltene Altstadt.

Steil zieht sich der schmale Wanderweg den Berg hinauf. Die Vögel zwitschern. Eigentlich bin ich doch noch in der Stadt? Der „Parc de l‘Hermitage“ bildet eine Natur-Oase.

Nach 2km -ich bin jetzt schon nassgeschwitzt und fertig- erreiche ich den Aussichtspunkt „Signal de Sauvabelin“ auf immerhin 643 m Höhe. Der Ausblick ist atemberaubend. Der später folgende Aussichtsturm wird gerade renoviert (uff! Das wäre anstrengend geworden). Die Bauform des Turms ist für mich neu und spannend, denn der ganze Turm besteht nur aus zwei Treppen-Spiralen (Wikipedia erklärt das besser).

Nach anstrengenden zwei Stunden, meist bergauf, erreiche ich ein Kirchlein, von dem ich vermutlich zum letzten Mal auf den Genfersee blicken kann. Sagte ich bereits, dass es schön ist?

Und weiter geht’s.

Plötzlich passiert es! Der Kopf ist leer und muss nicht mehr denken - und ich verfalle in mein Pilgertempo. Ohne es zu merken, erreiche ich auf Waldwegen den höchsten Punkt des Tages, bevor mich der Weg für ein ganzes Stück unangenehm auf die Straße zwingt.

In Montpreveyres, dem laut Karte letzten Ort vor dem Tagesziel Moudon, muss ich unbedingt Wasser nachfüllen. Ich sehe weder Brunnen noch ein öffentliches WC, sodass ich einen Mann anspreche, der gerade aus einem Haus kommt. Wenige Minuten später komme ich an dem außerhalb gelegen Friedhof vorbei - dort hätte es auch einen Wasserhahn gegeben. Im Wald mache ich Mittagspause.

Ich befinde mich in einer hügeligen, dünn besiedelten Landschaft. Immer wieder kleine Ortschaften oder einzelne Gehöfte auf den Kuppen und in den Senken. Viel Landschaft. Viel Landwirtschaft. Ruhe.

Seit dem Mittag wechseln sich schöne Waldpassagen mit nicht so schönen Feldwegen und Straßenabschnitten ab. Bei Syens öffnet sich der Blick in ein Tal und ich kann Moudon ausmache. Das Ziel fest im Blick geht es weiter.

Der Weg nach Moudon führt entlang der Broye - das könnte so schön sein, wäre der Weg nicht geteert.

Kurz vor dem Ziel noch schnell zum "Oberdorf" aufsteigen und den Blick schweifen lassen - und dann folgt der Abstieg zum Bahnhof.

Die Bahnfahrt ist unspektakulär. Bemerkenswert ist, dass die SBB noch das Feature anbietet, in den Zug ein- und auszuchecken und dann selbst den (günstigsten) Tarif ermittelt. Der Fahrgast muss sich um nix mehr kümmern - nur zahlen. Die Bahn (DB) hat dieses Feature zu meinem Bedauern ja abgeschafft.

Die Unterkunft „Á Coté“ in Oloron ist der Hammer. Ein ganzes Ferienhaus für mich alleine - mit großem Gemeinschafts- und Kochbereich, Terrasse und allem, was man sich wünscht. Es gibt 2 Doppelzimmer mit Etagenbad in einem Stockwerk und mein Doppelzimmer mit eigenem Bad im obersten Geschoss. Die Gemeinschaftsräume werden geteilt. Aber außer mir ist niemand da, da die Frau des Hauses übers Wochenende weg ist, aber ich schon sehr früh gebucht hatte.

Ich lasse es mir also auf der Terrasse gutgehen.

Länge Auf Ab
30.3 km 590 Hm 562 Hm

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Tag 07 - Von Moudon nach Romont

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Moudon/Oron-la-Ville, 05.06.2021

Gestern Abend kam noch ein heftiges Gewitter, welches in ergiebigen Dauerregen überging. Ich habe super gut geschlafen (der Regen und der rauschende Bach waren sehr beruhigend) und bin zur gewohnten Zeit voller Tatendrang aufgewacht. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, heute länger liegenzubleiben, da die Wettervorhersage nicht gut ist - aber es geht nicht. Wenn den ganzen (Vormit-)tag Regen angesagt ist, werde ich ja sowieso nass. Ich trödle also nur ein wenig herum, und um kurz nach neun geht es los. Der Zug fährt im Stundentakt und den um halb zehn will ich erreichen. Ich schmeiße mich daher in die Regensachen und los geht‘s. Immerhin ist der Rucksack heute richtig leicht!

In Moudon hört es bald auf zu regnen. Der Weg verläuft geschottert entlang der Broye, bevor er sich abwendet und die nächsten Kilometer den Berg hinauf führt. Ein längeres Telefonat mit meiner Tochter verkürzt die Zeit. (Es lebe die Telefon-Flatrate)

Am Dorfbrunnen in Lovatens ergibt sich ein nettes Gespräch mit einer jungen Lausannerin, die mit Freund und Bully seit einer Woche unterwegs ist. Bald gesellt sich ein älteres Pilgerpaar dazu, das gerade von Romont mit Ziel Genf unterwegs ist.

Ein letzter steiler Anstieg und schon habe ich den Bergrücken (und die Kantonsgrenze zu Fribourg) erreicht und von dort einen Rundumblick in die liebliche Hügellandschaft. Auch Romont mit den Burgtürmen erkenne ich sofort.

Nun geht es sanft den Hügel hinunter auf eine Art Hochebene. Am Himmel aufziehende, bedrohlich schwarze Wolken lassen mich meinen Schritt beschleunigen. Es sind ja nur noch ein paar Kilometer. Vielleicht schaffe ich es noch trocken nach Romont?

Das letzte Stück in das auf dem Hügel liegende und mit Stadtmauer und Türmen umgebene Dorf ist steil. Hier oben versammelt sich wieder viel Geschichte.

Das „Hotel du Lion d‘Or“ finde ich mit den ersten Regentropfen.

Unter indischer Leitung checke ich emotionsarm ein. Als ich kurz darauf um den fehlenden Wasserkocher bitte (hoch lebe booking.com) kommt man diesem Wunsch nach und findet nach einigem Suchen sogar noch einen. Als Tasse kann nun mein Berghaferl herhalten - fragen möchte ich nicht, sonst flippt mir der Herr hier noch aus. (Außerdem steht bei booking.com nur Wasserkocher. Nix von Tasse).

Ich hatte sogar überlegt, in dem im Hause integrierten indischen Restaurant zu essen. Jetzt weiß ich, dass ich das sicher nicht mache.

Los geht es zum Coop - ich brauche sowieso noch Verpflegung für morgen - und heute hatte ich außer dem Frühstück auch noch nichts. Dafür jetzt Kohldampf - es ist ja schon nach 13 Uhr. Ein Kebab-Laden auf dem Weg bietet auch Pizza…. - wäre ja auch mal was.

Als ich aus dem Coop komme, schüttet es richtig. Egal - Socken aus und los! Das Zeug will eh gleich gewaschen werden. Mal schauen, ob ich noch eine Leine gespannt kriege - sah eher schlecht aus.

Nach dem Mittag dusche ich mich und wasche die Sachen und ruhe mich etwas aus. Draußen regnet es sowieso gerade - ich verpasse also nichts.

Vor dem Abendessen statte ich der Burg noch einen Besuch ab und erklimme auch den Wehrgang. Mit Crocs sind die alten Stufen gar nicht so ungefährlich. Ich finde auch noch einen schönen Aussichtspunkt mit Panoramatafel. Die Kette von 2000ern der Freiburger Voralpen sieht schön aus - die Namen sagen mir nichts. Einer der dominantesten (bzw. eher markantesten) Gipfel ist der Moléson.

Heute gelernt:

  1. wer hungrig einkauft, kauft zu viel.
  2. auch, wenn man das weiß.
  3. unbedingt mal Lapsang Souchong probieren.

 

Länge Auf Ab
15.1 km 396 Hm 135 Hm

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Tag 08 - Von Romont nach Fribourg

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Romont, 06.06.2021

In der Nacht ist es still – dennoch schlafe ich unruhig. Zum Frühstück im Zimmer esse ich etwas Brot und Käse und trinke zwei Berghaferl Lapsang Souchong mit Milch.

Der Tomme Vaudoise, der in kleinen Laiben von nur 100 g hier in der Region hergestellt wird, ist innen cremig und sanft-milchig im Geschmack. (Und übrigens dazu noch günstig. Unglaublich!) Ich mag ihn sehr und werde die nächsten Tage nutzen, um nochmal welchen zu essen.

Der Tag kann beginnen!

Zur gewohnten Zeit verlasse ich das Hotel, kaufe schnell noch ein Mini-Brötchen und wandere den Berg hinunter. Gleich komme ich zur Zisterzienser-Abtei „Notre-Dame de la Fille-Dieu“. Irgendwie haken meine Französisch-Kenntnisse, denn trotz deepl.com erschließt sich mir der Name nicht. Eine kurze Internet-Recherche (auch hier ist wie bisher überall 4G verfügbar!) macht es nicht besser. Dafür weiß ich nun, dass die Abtei 750 Jahre alt ist. Und dass der Name Romont von „rotundus mons“ (also runder Berg) herrührt. Passt! (Latein kann ich auch nicht wirklich).

Weiter geht’s. Ich habe übrigens meine Wasser-Strategie komplett überarbeitet. Während ich am Anfang noch mit bis zu 3 Liter Wasser gestartet bin, führe ich jetzt nur noch einen halben Liter mit mir (und den Rest Milch). An jedem Brunnen, der nicht „non potable“ aussagt oder sonst fragwürdig aussieht, gibt es einen Schluck. Durst hin oder her. (Mein Berghaferl kann nicht nur Tee, sondern auch Brunnenwasser.)

Nachdem ich 13 km auf Nebenstraßen von Gehöft zu Gehöft und Siedlung zu Siedlung gewandert bin, führt der Weg jetzt in den Wald und hinab zur Glâne. Auch später werde ich wieder auf die Glâne treffen, mündet sie doch bei Fribourg in die Sarine (dt.: Saane).

Das schöne Stück durch den Wald ist kurz – dann geht es weiter in gewohnter Manier. Plötzlich höre ich über mir ein seltsam flatterndes Geräusch. Ich schaue hinauf, kann aber in den Wolken nichts sehen. Unvermittelt brechen 3 Fallschirmspringer durch die Wolkendecke und landen wenige hundert Meter entfernt auf dem Acker. Kurz darauf landet unweit eine kleine Propellermaschine und jetzt ergibt das Sinn. Ich bin gerade am Aerodrome Fribourg-Ecuvillens angekommen.

Mit 12-Uhr-Glockenschlag erreiche ich die Kirche von Ecuvillens-Hauterive. Leider ist die Tür geschlossen, aber dafür ist der Friedhof mit Wasserhahn geöffnet. Schräg gegenüber, direkt vor einem Restaurant, steht ein Picknicktisch. Jetzt gibt es Mittag. Ich habe gehörig Hunger.

Am Ortsrand steht bei einem Hühnerstall ein Self-Service für frische Milch und Eier. Ich überlege kurz, doch ein ganzer Liter Milch in Glasflasche ist mir echt zu viel. Und wie soll die Flasche wieder zurück? Bemerkenswert finde ich, dass die Schweiz mit ihrem TWINT-Zahlungssystem etwas mit großer Akzeptanz und Reichweite geschaffen hat. In Deutschland haben wir, soweit ich das mitverfolgt habe, nur Rohrkrepierer-Systeme der Sparkassen „hinbekommen“. Und später den Markt des Online-Payments schließlich an Google-Pay, Apple-Pay und PayPal verloren. Ja - die Schweizer können mehr als nur Ricolaaaaa. (Wer nicht versteht, was ich meine: https://m.youtube.com/watch?v=TYP0UWjZmR4 )

Jetzt geht es erneut hinunter ins Tal der Glâne – die Plattenbausiedlung und die schöne Kirche des Fribourg-Vororts Villars-sur-Glâne vor Augen.

Auf historischer Brücke überquere ich den Fluss und wandere traumhaft schön, einem Bächlein folgend, steil in den Ort hinauf. Inzwischen scheint die Sonne kräftig und ich bin froh, dass ich mir beim Friedhofs-WC ein Berghaferl „eau de toilettes“ gönnen kann. Oder zwei. Eine Bank im Schatten macht das Wanderglück perfekt. Wie ich so dasitze, kommt eine Frau, die offensichtlich beobachtet hat, dass ich erfolglos am Hauptportal der Kirche gerüttelt habe und erklärt mir, wie ich durch den Seiteneingang in die Kirche komme, und wo ich mich ins Pilgerbuch eintragen kann. So nett!

Erfrischt gehe ich weiter und das letzte Stück in die Stadt ist weniger schlimm als befürchtet, da der Weg nicht an der Hauptstraße entlang führt, sondern durch Wohn- und Erholungsgebiete.

Vom Bahnhof Fribourg – hier ist inzwischen auch deutsch und französisch signalisiert – sind es dann nur noch ein paar Schritte zum Hotel de La Rose.

Der Empfang läuft freundlich und deutsch-/französisch gemischt ab. Das Zimmer bleibt zwar ausstattungsmäßig hinter dem ursprünglich im "Hotel Hine Adon" gebuchten zurück (keine Küchenzeile), ist aber deutlich besser als letzte Nacht und für drei Nächte gut. Und man kann toll eine Wäscheleine spannen!

In der Stadt ist gut was los, obwohl die Geschäfte am Sonntag geschlossen sind, und ein Blick in booking.com bestätigt, dass die Hotels (abgesehen von ein paar Mondpreis-Angeboten) im Zentrum keine freien Zimmer mehr haben.

Morgen ist Ruhetag. Nur etwas Sightseeing.

 

Länge Auf Ab
28.8 km 375 Hm 526 Hm

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Ruhetag in Fribourg

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Fribourg, 07.06.2021

Dank Fenster zum Hof, hat mein Zimmer zwar keine gute Aussicht, dafür ist es aber schön ruhig.
Heute bleibe ich 1 Stunde länger liegen und danach muss ich erst einmal Brötchen für das Frühstück kaufen. Das Angebot des Frühstücks für 15 SFr. habe ich dankend abgelehnt. Milch brauche ich auch, denn Frischmilch, einen ganzen Tag im Rucksack durch die Gegend geschuckelt, ergibt so eine Art Joghurt/Dickmilch. Leider sauer.
Jetzt also erst einmal zur Kantonalbank in der Fußgängerzone, um die alten Scheine zu tauschen. Vor dem Eingang gleich mal sechs Polizisten. Da offensichtlich ist, dass diese nicht für ihre Bankgeschäfte anstehen, frage ich freundlich, ob denn geöffnet sei. Sie schauen etwas komisch, aber bejahen. Drinnen verwehrt man mir als Nichtkunde den Umtausch. Als ich nachhake, dass auf der Webseite der Nationalbank die Kantonalbank als Umtauschstelle genannt ist, schickt man mich zur Hauptstelle in der Nähe vom Bahnhof. Dort auch erstmal die Frage, ob ich Kunde sei. Als ich das verneine, kommt die Frau aus dem Schalter, zeigt nach schräg oben und meint: „Döt d‘ Stäge efnuf, un dann um d‘Eckche isch e‘ Schalt’r vu de Zentralbank“.
Alles klar - wird gemacht! Alte Scheine hin - neue Scheine zurück. Ratzfatz. Wenn man erstmal an der richtigen Stelle ist. Etwas verwirrend fand ich, dass
a) der Herr mich hat französisch sprechen lassen,
b) er von mir wissen wollte, wie viel Geld es sei, obwohl er es zweimal in den Geldzähler gesteckt hat
c) und wir offensichtlich in einer Gegend sind, in der 80 nicht „quatre-vingts“, sondern „huitante" heißt.

So – und nun starte ich die virtuelle Stadtführung, die ich mir gestern noch gekauft und im WLAN runtergeladen habe.
Nach drei Stunden und acht Kilometern ist nicht nur der durch Augmented Reality schwer geplagte iPhone-Akku ziemlich erschöpft. Ich auch. Es war aber wirklich gut gemacht – und Fribourg ist sehr geschichtsträchtig, schön und sehenswert. Kann ich nur empfehlen! Allerdings auch hügelig und mit viel Kopfsteinpflaster. Ich war froh, dass ich nicht in Crocs, sondern mit den Wanderschuhen unterwegs war.
Einzelheiten über die Kirchen, Kathedrale, Stadtteile und die Saane erspare ich mir hier.
Da der Rundgang bei einem Einkaufszentrum mit Coop endet, will ich nun doch mal das Restaurant probieren. Mein Appetit auf Gemüse und Salat kongruiert allerdings nicht mit dem Angebot, sodass das Tablett leer bleibt und ich im normalen Supermarkt lande. Mit Salat und Obst mache ich es mir -wie auch viele Schüler/Studenten- im schönen Park mit dem Tinguely-Brunnen bequem. (Korrekterweise ist es der Jo-Siffert-Brunnen, aber halt von Tinguely gebaut. Und Tinguely-Kunstwerke erkenne sogar ich!)
Hier lässt es sich aushalten! Zum Glück habe ich mein „Buch“ dabei. Als das Handy Batterienotstand signalisiert, und meine nicht eingecremten Beine auch der Meinung sind, dass es gut wäre, die Sonne zu verlassen, gehe ich ins Hotel. Natürlich dabei auch noch schnell für heute Abend und morgen einkaufen.
Ich bin noch keine Stunde im Zimmer, als draußen ein kräftiger Gewitterregen niederprasselt!
Alles richtig gemacht!

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Tag 09 - Von Fribourg nach Schwarzenburg

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Fribourg, 08.06.2021

Nach einem unglaublich guten Frühstück (halbe Avocado, Tomme, Brötchen und Tee) im Zimmer geht es mit federleichtem Rucksack los. Da ich in Schwarzenburg kein Hotel gefunden habe, geht es nach der Etappe wieder mit der Bahn zurück nach Fribourg. Daher kann alles, was ich heute nicht zu brauchen gedenke, zurückbleiben.

Auf mir von der Stadtführung bekannten Gassen geht es steil hinab in die Unterstadt. Es ist noch angenehm kühl (15 Grad, feucht-drückend), aber schon beim Anstieg über den „chemin des zigzag“ wird mir warm. Der wahrscheinlich schönere Originalweg wird gerade aufwendig renoviert. Der Blick auf die Stadt von der oberen Etage der Zähringerbrücke ist so schön, dass ich mich gar nicht losreißen mag.

Durch immer unschöner werdende Wohngebiete geht es hinaus in die Natur. Die Wolken verheißen Regen. Als die ersten Tropfen fallen, stelle ich mich praktischerweise bei einem Gehöft unter und werfe mir den Poncho über. Nach zwei Minuten ist der Schauer schon wieder vorbei.

Obwohl ich noch im Kanton Fribourg kurz vor Tafers bin, habe ich die Sprachgrenze offenbar überschritten, sodass ich das „bonjour“ wegpacke und das „Gruezi“ mit all seinen Abwandlungen raushole. Schon recht früh hatte mir eine Wanderin ein „Guete Morgä” entgegengeschmettert.

Ich bin so begeistert über die Sprachfreiheit, dass ich das gleich im nächsten Volg für ein „Weggli“, Milch und Aprikosen nutze. Ich fühle mich fast heimisch.

Beim Anstieg nach Sankt Antoni mit der weithin sichtbaren Kirche komme ich mit einer Radlerin ins Gespräch, da sie im gleichen Tempo den Berg hinauf strampelt, wie ich wandere. Oben gönne ich mir eine Pause auf dem Friedhof. Schon das zweite Friedhofs-WC heute, welches Wasser spendet und in TOP-Zustand ist.

Weiter wandere ich meist über Feldwege - vorbei an Kühen und Bauernhöfen - mal auch durch ein Waldstück. Alles sehr ruhig und natürlich. (Mir fällt auf, dass auf einigen Weiden alle Kühe glockenlos sind.)

Nach etwa 15 km wandere ich hinunter zur Sense und überquere sie auf der Sodbachbrücke.  Damit bin ich jetzt im Kanton Bern. Tief hat sie sich ihre Schlucht in die Landschaft eingegraben, weshalb sie vor allem oberhalb der Brücke für Wildwasserbefahrungen reizvoll sein soll. Ich mache mir bewusst, dass das Wasser, das hier gerade vorbeifließt, erst in die Saane, dann in die Aare und ein paar Tage später als Rhein bei Rotterdam in die Nordsee fließen wird. Krass!

Ich hingegen steige nun über den Römerweg, der bereits 1385 schriftlich erwähnt wurde und Teil der alten Ost-/West-Handelsroute war, über uraltes Knochenbrecher-Pflaster hinauf nach Schwarzenburg.

Kurz vor dem Bahnhof lockt das Coop-Restaurant, wo ich lecker Reis mit Spargelragout esse. Ich lasse mich zu einem Ramseier Suure Moscht verleiten, an den ich so manche Kindheitserinnerungen habe. Nach der Hälfte der 5dl-Flasche bin ich jedoch so betütert, dass ich den Rest einpacke und wieder an die frische Luft will.

Eher zufällig erreiche ich den Bahnhof gerade zur Abfahrt eines Zuges, der mich über Bern zurück nach Fribourg bringt. Sonst dürfte ich jetzt eineinhalb Stunden auf den Bus warten.

Insgesamt ist die ganze Planung mit Schwarzenburg und dem Hotel nicht optimal – doch da ich für die Via Jacobi nur auf stornierbare Hotels gesetzt hatte, hatte ich keine bessere Lösung gefunden. Egal. Abhaken und weitermachen.

Auf der Bahnfahrt durchlebe ich eine Zitterpartie mit dem leer werdenden iPhone-Akku – und die Powerbank liegt im Hotel. (Hatte wohl zu viele Notizen unterwegs gemacht). Bei eTickets sollte das Smartphone ja auch bei der Kontrolle noch Strom haben.

In Fribourg nieselt es leicht, aber das stört mich auf dem kurzen Weg ins Hotel nicht mehr.

Fazit: Erster Tag, ohne Berge zu sehen – dafür habe ich wieder unglaublich Glück mit dem Wetter gehabt.

 

Länge Auf Ab
20.8 km 504 Hm 305 Hm

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Tag 10 - Von Schwarzenburg nach Längenbühl

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Fribourg/Schwarzenburg, 09.06.2021

Da ich gestern Abend sehr früh eingeschlafen bin, (ob es wohl am Rest Suure Most lag?) bin ich heute Morgen auch schon sehr früh sehr wach. Es ist also gar kein Problem, den Bus um 7:12 Uhr zu nehmen. Dieser fährt durch all die Dörfer, durch die ich gestern gewandert bin. Das ist richtig schön.

Um Viertel vor acht wandere ich in Schwarzenburg los. Die Wolken hängen noch tief – keine Berge in Sicht. Schon bald darf ich durch hüfthohes, nasses Gras wandern. Das ist sehr erfrischend.

In Schönentannen überquere ich die Straße bei einer fast nicht erkennbaren mobilen Radaranlage und ziehe meinen Poncho über, da es seit ein paar Minuten nieselt. Zwar nicht stark, aber es gilt ja: „wenn nass, dann nass”. Nach 5 Minuten ist's schon wieder vorbei.

Nun trennt sich mal wieder der Alpenpanoramaweg von der Via Jacobi bis Rüeggisberg. Er verläuft vielleicht auf etwas schönerem Weg, aber „Alpenpanorama“ ist heute sowieso Mogelpackung. Null Sicht! Ich bleibe also auf der Via Jacobi. Hier durch die Ruhe zu wandern, ist auch ohne Sicht schön. Und das nicht nur relativ zu dem, was ich sonst mittwochmorgens um halb neun mache, sondern absolut.

Ich wandere an einer Schafherde vorbei, die durch Herdenschutzhunde bewacht wird. Diese haben mich zuerst entdeckt. Ich glaube, hier möchte ich kein Wolf oder Schafdieb sein.

An einem Hof gibt es einen Hofladen auf Vertrauensbasis. Mit Brot, Marmeladen, Keksen und vielen anderen leckeren Dingen. Ausnahmsweise bedauere ich es, dass ich noch Proviant dabeihabe. Leider kann man das im Voraus nicht wissen. Es soll laut Schild auch ein B&B geben. Ich frage mich nur, wie man das finden soll, denn weder google noch booking noch die populäre BnB-Seite bnb.ch weiß etwas davon. Vielleicht ein Tourismus-Verband? Das macht Planen so unglaublich aufwendig. Oder muss man da echt ad-hoc und ungeplant vorbeistolpern? Ich verstehe das nicht.

Ein wunderschöner Pfad bringt mich - erst schlammig, dann über rutschige Holzstufen - hinab ins Sense-Schwarzwasser-Naturschutzgebiet. Heute bin ich erstmals froh um die hohen Wanderschuhe. Schön ist es, hier entlang des Flusses Schwarzwasser zu wandern.

In Wilisau bemühe ich den Wasserhahn einer Tankstelle (heute noch keine Brunnen) und packe den Poncho weg. Inzwischen blinzelt vereinzelt sogar die Sonne durch die Wolkendecke. Mitten durch eine Schafweide mit Schafen geht es auf einem Pfad hinauf. Die Schafe wurden gerade gefüttert und sind daher nicht sehr an mir interessiert, sodass ich problemlos direkt an ihnen vorbeiwandern kann. Das ist jetzt echtes Genusswandern!

Auf einem schmalen Pfad wandere ich entlang eines Bächleins nach Rüeggisberg hinauf. Es stellt sich heraus, dass dies ein „Alter Klosterweg“ (1533 erwähnt) ist. Schön – und schön anstrengend!

Beim Kloster (konkret: Cluniazenserpriorat) mache ich Rast. Von hier aus gäbe es tolle Gipfelsicht – wenn die Wolken nicht wären. Ich will nicht jammern und bin dankbar für das trockene und warme Wetter.

In Mättewil trennt sich nun der Jakobsweg Richtung Bern. Ich hingegen gehe in Richtung Thun weiter. In der Ferne kann ich den Thunersee erspähen - jedoch keine Berge.

Eine Stunde vor Wattenwil ziehen finstere Wolken auf. Das gefällt mir gar nicht!

Der Abstieg nach Wattenwil auf steiler Teerstraße geht ganz schön in die Beine. Weiter geht's entlang der rauschenden Gurbe nach Längenbühl. Beeindruckend sind die massiven Verbauungen für Hochwasser/Extremwasser.

Es fängt an zu tröpfeln, also ziehe ich den Poncho an, um ihn nach 10 Minuten wieder abzustreifen.  Das Ziel kommt näher – die dunkle Wolke auch. Zwei kräftige Donnerschläge. Klingt nach Gewitterregen. Nur noch 1 km zu gehen.

Ich erreiche das Hotel. Trocken!

Wieder einmal bin ich ohne nennenswerte Feuchtigkeit von oben durchgekommen, obwohl vor und neben mir deutlich sichtbar kräftige Schauer niedergegangen sind.

Nun folgt "Wasserkocher - Episode 2 - Die Schweizer Lösung" (Episode 1 war die indische Lösung). Als ich dem Herrn, bei dem ich eingecheckt habe, sage, dass ich den Wasserkocher nicht gefunden habe, bedankt er sich mehrfach und meint, er würde sich kümmern. Keine 10 Minuten später klopft es an der Tür und mehrfach bedankend überreicht er mir einen Kocher und sagt mir sogar, dass am Ende des Flurs auch noch „Teebeuteli und Zucker“ seien. Respekt!

(Ohne Kocher wäre es halt echt doof gewesen, zumal ich mir absichtlich noch eine kleine Milch dafür mitgebracht habe und mich auf meine Nachmittags-Teestunde freue).

Etwa 20 Minuten nach meiner Ankunft kommt auch der Regen an. Es regnet bis zum frühen Abend – teils heftig und mit Donnergrollen in der Ferne. Hat es sich also mal wieder gelohnt, früh aufzustehen!

Am Abend schmeiße ich mich in Schale, was bedeutet, dass ich meine zweite Garnitur Wäsche anziehe, die ich bisher nur spazieren getragen habe. Ich diniere auf der geschützten Terrasse. Salat und Veggi-Rösti. Super lecker!

Hinzu kommt, dass sich die Wolken zeitweise lichten und sogar der Niesen (für mich sehr mit Kindheit verbunden) zu sehen ist.

Für morgen plane ich eine Morgen-Meditation ein, denn es gibt erst um 8 Uhr Frühstück.

Fazit: Der frühe Vogel fängt nicht nur den Wurm, sondern ist auch schon wieder im Nest, wenn der Regen kommt.

 

Länge Auf Ab
25.1 km 476 Hm 614 Hm

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Tag 11 - Von Längenbühl nach Spiez

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Längenbühl, 10.06.2021

Die Nacht im Landgasthof Grizzlybär verlief ohne Bärengebrüll. Morgens um vier Uhr quakten die Frösche im Dittligsee, aber zum Glück nicht sehr laut, sondern eher beruhigend. Das Frühstück war super! Croissants und kleine Brötchen, sowie ein paar frische Erdbeeren, Trauben, Birne, Pfefferminze und Gurke, sowie etwas Gruyère (und es hätte sogar Schinken gegeben, wenn ich diesen nicht abbestellt hätte). Alles Tipp-Topp. Der Blick aus dem Fenster: unbeschreiblich! Die nahen Berge sind wolkenlos. Deutlich erkennbar das Stockhorn. Vor dem Niesen leichte Wölkchen.

Ob des späten Frühstücks ist es neun Uhr, als ich mich vom super-netten Grizzly-Inhaber(?) verabschiede.

Wie gerne würde ich die Bergkette besteigen! Aber das ist auf dieser Tour unmöglich. (Ich hab' das sogar gecheckt. Selbst wenn kein Schnee mehr läge – es geht einfach nicht. Jeder Gipfel/Grat ist für sich schon eine saftige Bergtour).

In Blumenstein zeigen die Wegweiser nicht nur auf die Gipfel, sondern auch mir meinen Weg entlang des Fallbachs. Wohl aufgrund der Niederschläge führt dieser sehr viel Wasser.

Auf dem Hügel dahinter kommt dann das „ganz große Kino“! Etwas diesig zwar, sodass es nicht für ein iPhone-Foto taugt, aber dennoch deutlich zu sehen: Eiger, Mönch, Jungfrau. Wow! Zum Glück ist hier der Weg geteert, sodass ich mich gefahrlos während des Gehens sattsehen kann.

An einem SB-Bauernkühlschrank erstehe ich ein Stück Alpengreyerzer, womit das Znüni (gemeinsam mit einem Brötchen aus Blumenstein) auch gesichert ist. Es ist so schön – ich kann mir gerade kaum etwas Schöneres vorstellen.

Bald darauf öffnet sich der Blick auf Thun und den Thunersee. Dahinter die bekannten Bergriesen.

Vorbei am idyllischen Übeschisee geht es durch militärisches Sperrgebiet, auf dem mit leichtem und schwerem Geschütz geballert wird, nach Amsoldingen. Hier wird gerade von zwei Arbeitern der Straßenrand freigeschnitten und damit auch eine Menge Staub und Dreck aufgewirbelt. Sie hören zwar auf, als ich komme, doch selten war ich so froh, eine FFP2-Maske griffbereit zu haben!

Die schon vor dem Jahre 1000 gebaute Kirche in Amsoldingen beeindruckt auch mich. Durch die dicken Mauern ist es im schlichten Gebäude überraschend kühl. Das Friedhofs-WC spendet das heute besonders wichtige Wasser.

Inzwischen bilden sich immer mehr Quellwolken, was bei der starken Sonneneinstrahlung nicht überrascht. Leider verdecken diese immer mehr den Blick auf die hohen Gipfel. Die Wolken sind zwar schon mehrstöckig, stoßen jedoch noch nicht an der Stratosphäre an. Das könnte am Nachmittag trotzdem noch ein Gewitter geben.

Ich führe ein kurzes Gespräch mit einem Pilger, der von Rohrschach nach Lausanne pilgert. Obwohl er gleich lang wie ich unterwegs ist, hatte er schon mehrere Regentage und freut sich nun auch über das super Wetter.

Jetzt geht’s steil bergab, unter der Autobahn hindurch und auf der anderen Seite wieder steil auf einen Aussichtspunkt. I love it! Super Blick auf Thun, den See und die gegenüberliegenden Orte. Mit Fantasie kann ich sogar Interlaken erahnen. Gut sichtbar auch das Niederhorn mit seinem Funkturm. Wenn morgen auch nur halbwegs klares Wetter ist, werde ich definitiv mit dem Schiff übersetzen (und nicht mit der Bahn). Da ich jetzt eh schon beim weithin sichtbar auf dem Hügel liegenden Strättlingturm aus dem 13. Jahrhundert bin, gönne ich mir auch noch die letzten (beleuchteten) Stufen, und umrunde ihn. Die massive Tür bleibt verschlossen und die ganze Aktion bringt außer Fitness leider gar nix.

Gut, dass ich ein Znüni hatte, denn sonst wüsste ich nicht, wo mein Magen hängen würde. Zum Glück habe ich auch noch einen Apfel. Eine Einkaufsgelegenheit wäre jetzt mal fällig.

Gut gesichert geht es entlang der Kander die sich mächtig, milchig-grau und laut tosend in den Thunersee ergießt.

Ich erreiche die schlichte Kirche in Einigen und mache auf dem Kirchhof direkt am See, unweit der Bootsanlegestelle und direkt neben einem Wasserhahn, in aller Stille Pause. Keine Einkaufsgelegenheit und kein Restaurant weit und breit. Noch gut 5 km bis Spiez.

Ein letzter Anstieg, vorbei an einer Wiese, die gerade gemäht wird und über der mindestens zehn Raubvögel kreisen. Ich hätte wegen der v-förmigen Schwanzform auf Milane getippt. Sicher bin ich nicht. Mit Vögeln kenne ich mich wie mit Bäumen bedauerlicherweise nicht so gut aus. Geier, die auf meinen baldigen Hungertod warten, sind es jedenfalls nicht.

Das letzte Stück nach Spiez ist nochmal ein richtig schöner Weg – auch auf den Spiezberg. Die Stadt liegt unter mir – der Hunger treibt mich allerdings erst mal direkt Richtung Bahnhof, denn das sehenswerte Schloss, zu dem der offizielle Weg führt, läuft schon seit ein paar Jahrhunderten nicht weg.

Als ich mich mit meinem Salat und Brot endlich niederlasse, ist es fast halb vier! Für morgen schaue ich genauer in die Karte und muss definitiv mehr Wasser mitnehmen, da meiner Meinung nach gar keine Kirchen/Friedhöfe am Weg liegen und es viel durch die Natur geht. Und mit Micropur möchte ich echt nicht anfangen. (Außerdem braucht das auch 2 Stunden, bevor es richtig sicher ist). Heute hingegen kam ich wieder problemlos mit 100 % „externem Wasser“ klar.

Das Schloss ist eingerüstet und daher etwas unfotogen. Zudem findet eine Diensthundeausbildung der Militärpolizei statt, die aber nicht beeinträchtigen soll. Ich sehe auch nur uniformierte Zweibeiner. Als Nächstes wandere ich hinunter zum Hafen. Fühlt sich richtig mediterran an. Und jetzt weiß ich, wo morgen mein Schiff fährt. In der nicht so weiten Ferne ertönt Donnergrollen. Ich schaue, dass ich jetzt ins Hotel einchecke.

Nun noch schnell was für heute Abend und für morgen zum Frühstück besorgen, denn in einem Hotel, wo das Frühstück 24 Franken kosten soll, finde ich ganz bestimmt nichts, was ich bezahlen möchte. Mit einem Pfund Cocktailtomaten und etwas Brot/Käse fühle ich mich durchaus gut bedient.

Da es immer noch nicht regnet, nehme ich den Welcome-Drink gerne auf der Rooftop-Bar. Ohne schlechtes Gewissen.

Fazit:

  1. Die Berge werden immer beeindruckender.
  2. Es gibt tatsächlich Ortschaften am See, ohne jegliche Einkaufsmöglichkeit. Die Leute müssen hier von Luft, Liebe und der schönen Aussicht leben.

Länge Auf Ab
21.2 km 332 Hm 382 Hm

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Tag 12 - Von Spiez nach Interlaken

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Spiez, 11.06.2021

„Es gibt echt Schlimmeres“, denke ich, als ich aufwache, und mein erster Blick direkt auf den Niesen fällt. Prächtig zeichnet sich seine perfekte Pyramide vor dem blauen Himmel ab.

Die Nacht im Boutique Hotel „la belle vue“ war unerwartet ruhig. Nachdem das Gewitter und der Regen vorbei waren, konnte ich die ganze Nacht bei offenem Fenster nur den Brunnen im Hof hören. Spiez bezeichnet sich selbst als Kraftort – besondere Kraft benötigt man im Portemonnaie. Dies ist meine teuerste und definitiv nicht beste Unterkunft. Aber die Einzige mit Blick auf den Niesen (und direkt auf den Behandlungsstuhl der weniger als fünfzehn Meter Luftlinie entfernten Zahnarztpraxis). Spaß beiseite: Der See, die Stille, die Berge, das Traumwetter und meine gefühlte Freiheit machen mich unglaublich ruhig und zufrieden. Es ist wunderbar!

Da das Schiff erst um 10:28 fährt, frühstücke ich in aller Ruhe, hole mir bei der Migros etwas Obst für den Tag und verbringe den Rest der Zeit am See beim Hafen.

Mit dem gut gefüllten Schiff setze ich via Faulensee nach Merlingen über. Dabei wird mir klar, dass ich gestern unmöglich Interlaken gesehen haben kann.

Unterhalb der beeindruckenden NW-Steilabbrüche des Niederhorns wandere ich mit Aussicht auf den See. Das Panorama macht mich sprachlos.

Gemächlich und später auch steiler ansteigend geht es durch den schattigen Wald. Ich überquere die Standseilbahn nach Beatenberg/Niederhorn und die Downhill-Bikepiste „Heartbeat“. Vom Widmann-Platz genieße ich den Blick auf das Morgenberghorn oberhalb von Leissingen. Etwa 400 m über mir liegt Beatenberg. Ein unerwartetes Brünneli stillt meinen Durst.

Tief in den Berg wurde ein mächtiger Steinbruch gegraben. Vor der Kulisse tut das den Augen richtig weh. Jetzt geht´s erstmal bergab.

An der Bootsanlegestelle Sundlauenen gibt es wieder Wasser, eine überdachte Wartemöglichkeit (Schatten) und eine super Aussicht. Hier mache ich Mittagspause. Immer in Seenähe wandere ich nun auf und ab, bis ich das Bödeli erreiche. So heißt die Schwemmebene zwischen Thuner- und Brienzersee. Denn nach der letzten Eiszeit gab es nur einen See, bis die Flüsse Lütschine und Lombach so viel Geschiebe eingeschwemmt hatten, dass daraus zwei Seen wurden. Daher ist diese Fläche auch sehr eben.

Hier wandere ich (unschön) entlang der Campingplätze, Bootsanlegestellen und privaten Badestellen, bevor die Umgebung in Naturstrand und schließlich schön in das Naturschutzgebiet Weissenau-Neuhaus übergeht.

Die Sonne, die fantastische Aussicht und der späte Start haben mich irgendwie total fertig gemacht. Ich setze mich auf eine Bank im Schatten und mir fallen gleich die Augen zu, sodass ich ein kurzes Nickerchen mache. Eigentlich gar nicht meine Art. Tut aber gut.

An der Burgruine Weissenau verabschiede ich mich vom Thunersee und folge der wasserreichen, türkisen und stark strömenden Aare bis Unterseen. Da dies „nur“ die Verbindung zwischen Brienzer- und Thunersee ist, hätte ich so viel Strömung nicht erwartet.

Nachdem es Meinungsverschiedenheiten bezüglich der Zahlungsmodalitäten mit dem ursprünglich gebuchten Backpacker-Hostel gegeben hatte, übernachte ich heute im Hotel Krebs im Zentrum von Interlaken. Dunkle Wolken und mehrere Gleitschirmflieger vor dem Hausberg „Harder Kulm“ geben ein beeindruckendes Bild ab.

Von hier aus könnte ich direkt hinter dem Chlyne Ruuge in Richtung Lauterbrunnental schauen (Idealer Blick auf Eiger, Mönch, Jungfrau). Leider hat sich eine Wolke im Tal verklemmt und verwehrt mir den Blick. Vielleicht klappt's ja morgen.

Absolut überflüssigerweise beginnt es jetzt zu tröpfeln. Es scheint, wir brauchen dieses „Spiel“ jeden Tag? Es ist unglaublich schwül. Es bleibt bei ein paar Tropfen, und ich checke in das Hotel fast direkt beim Bahnhof ein. Da dies meine bisher günstigste Unterkunft ist, bin ich sehr positiv vom Zimmer überrascht (und das bei 60 % des Preises der letzten Nacht). Mal schauen, ob es da noch einen Haken gibt.

Booking hat mir jedenfalls schon wieder einen Strich durch die Rechnung gemacht und die Kreditkarte belastet, obwohl ich (mit Reiseschecks) vor Ort zahlen wollte. Kann aber auch sein, dass ich das selbst verbockt habe.

Irgendwie bin ich trotz der kurzen Distanz ziemlich platt. Ich hadere, ob ich die Gästekarte für eine Freifahrt auf die Harder Kulm noch nutzen soll. Jetzt aber erst mal duschen! Und nach dem Duschen hat sich die Frage von alleine beantwortet, denn es regnet kräftig. Mal gespannt, wie ich mir noch mein Abendessen/Frühstück organisiere.

Frage des Tages: Kann auch zu viel Aussicht einen „Information Overflow“ verursachen?

Länge Auf Ab
13.5 km 280 Hm 283 Hm

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Tag 13 - Von Interlaken nach Brienz

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Interlaken, 12.06.2021

Die Nacht im Hotel Krebs war ruhig und sehr erholsam. Dank des Fensters zur Hofseite konnte ich dieses die ganze Nacht offen lassen und die kühle, frische Luft genießen. Statt 17 Franken fürs Frühstück auszugeben, gab es wieder DIY-Roomservice. Wasserkocher (und sogar Kühlschrank) lassen es richtig gut werden. In diesem 4-Sterne-Hotel bin ich gelandet, weil ich das Hotel Weisses Kreuz (3 Sterne) erst vorgestern gebucht hatte - zum etwa gleichen Preis wie das Backpacker-Hostel - und dann vom Hotel kostenneutral umgebucht wurde (weil wegen COVID noch geschlossen). Normal geht das Zimmer für den dreifachen Preis weg.

Ich starte zur gewohnten Zeit und tadaaa… - heute ist freie Sicht auf die Jungfrau. Natürlich muss ich sie erst einmal eine ganze Weile fotografieren und staunen.

Noch ein wenig Obst gekauft – und schon schlendere ich durch die Altstadt (von Unterseen, um genau zu sein). Es ist so schön!

Über die Goldsteinpromenade entlang der Aare erreiche ich – trotz ständigem Stehenbleiben, Schauen, Staunen – vorbei an Freibad und Talstation der Harder-Kulm-Bahn (die ich doch nicht hätte kostenlos fahren können) irgendwann den Brienzersee. Dieses Traumwetter! Unglaublich!

Ab nun verläuft der Weg oberhalb der Bahnlinie, da die Felsen hier direkt bis an den See reichen, nach Ringgenberg. Über mir ist die Roteflue, deren sichtbaren Grat man wunderbar bis zum Augstmatthorn erwandern könnte. Das ist zwar lang, aber nicht sonderlich schwer. Muss ich mir mal vormerken.

In Niederried endet der schöne Waldweg und ich darf auf einem Sträßchen (meist) unbeschattet richtig Höhe machen. Die Sonne brennt und steht fast im Zenit. Belohnt werde ich durch uneingeschränkte Aussicht! Die Bergkette um das Brienzer Rothorn vor Augen - und selten mal von einem E-Biker überholt - träume und schwitze ich mich hinauf. Sooo unglaublich toll!

Kurz vor dem Farlouwigraben wird der Weg zum Pfad und ich staune nicht schlecht, dass ich nun ein (verdrecktes) Altschneefeld (ggf. Lawinenreste-denn sonst kann ich mir die ganzen umgedrückten Bäumchen nicht erklären) queren darf. Das Schild „Achtung Steinschlag und Lawinengefahr“ hatte ich gekonnt ignoriert.

Obwohl hier schon viele Leute entlanggegangen sind und die Wegspur klar ist, packe ich auch für die wenigen Meter die Stöcke aus und bin um meine Alpin-Grundausbildung (Stichwort Sichelschritt) froh. So komme ich problemlos hinüber. (Gefährlich war diese Stelle nicht - aber ich wollte dennoch ungerne im Dreckschnee/Schlamm landen. Auch das kann unangenehm sein. Und man sieht aus wie Sau.) Ich bleibe noch etwas in der Nähe und beobachte eine Joggerin, die sich auf allen Vieren abmüht… - und dann auch heil hinüberkommt.

Weiter wandere ich durch den schattigen Wald hinab nach Oberried am Brienzersee.

In der Nähe der Anlegestelle finde ich einen Rastplatz mit schön gewärmter Steinbank und passendem Steintisch unweit eines Brunnens. Ich verspeise meinen Proviant und ruhe mich ein wenig aus.

Weiter geht es – und ich wandere am See entlang. Vorbei an Privatanlegern und Gärten offensichtlich Gutbetuchter. Dann führt mich der Weg etwa 300 Höhenmeter den Berg hinauf. Uff! Der tief eingeschnittene und auch noch mit Schneeresten gefüllte Unterweidligraben wird durch eine große, quietschende Hängebrücke überspannt. Beim Begehen kommt Nepal-Feeling auf, jedoch fehlen die Yaks und obwohl die Brücke quietscht und wankt, macht sie einen schweizerisch stabilen Eindruck.

Noch zwei oder drei Bergeinschnitte überquere ich, bevor der Weg schlussendlich nach Brienz hinabführt.

Dort besuche ich die exponiert gelegene Kirche sowie das Friedhofs-WC (Wasser!), und mache im Schatten nochmal Pause. Ich bin total verschwitzt und ganz schön groggy. Ich bin froh, dass ich heute schon gleich am Morgen die Sonnenbrille aufgezogen habe (der Weg ging auch Richtung Osten), denn es geht mir heute besser als gestern.

Das „Seehotel Sternen“ in dem ich heute unterkomme, hat bei booking.com richtig schlechte Bewertungen, war aber das einzige Hotel, welches ein Zimmer mit eigenem Bad anbot (und kein Etagenbad) und nicht gleich 200 Franken kostet. Obwohl das Restaurant geöffnet ist, muss man beim Seiteneingang jemanden anrufen, der dann kommt. Herzliche Begrüßung geht anders. Er kassiert und schickt mich in den zweiten Stock. Dort das zweite Mal Nepal-Feeling. Eine bemühte Frau (könnte durchaus aus selbiger Gegend kommen) zeigt mir in gebrochenem Englisch das Zimmer. Zum Glück – denn woher soll man denn sonst wissen, dass das Zimmer 7 (Schlüsselanhänger) zum Zimmer „Interlaken“ (Türschild) passt? Sicher eine ganz ausgebuffte Strategie, damit Einbrecher mit verlorenen Schlüsseln nichts anfangen können.

Das Zimmer: 1 Bett, 2 Holzstühle, 1 Tisch mit plastikbeklebter Tischplatte, 1 Regal und ein Kleiderständer. Und ein Fenster zur Straße. Im Bad eine Dusche mit Vorhang(!) und Linoleum am Boden und der Wand(!). Charmanter Unterschied zur letzten Nacht.

Naja – ich bin ja nicht auf Hotel-Reise, sondern auf Wanderung. Ich habe alles, was ich brauche – sogar mein eigenes Bad.

Nachdem ich mich frisch gemacht und meine Klamotten gewaschen habe, gehe ich zur nahen Migros und kaufe ein. Danach setze ich mich in einen Liegestuhl an der Strandpromenade und genieße!

Fazit: Hier ist's so schön – ich will eigentlich gar nicht weiter!

 

Länge Auf Ab
20.2 km 490 Hm 491 Hm

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Tag 14 - Von Brienz nach Lungern

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Brienz, 13.06.2021

Früher als gewollt wache ich auf, denn ab fünf Uhr nimmt der Straßenverkehr merklich zu. Bis dahin war es allerdings so ruhig, dass ich sogar das Fenster geöffnet lassen konnte. Die in der metallenen Dachrinne nistenden Vögel sorgten für zusätzliche Geräuschkulisse. Das Zimmer hat auf jeden Fall seinen Zweck gut erfüllt.
Frühstücken kann man auch draußen auf der Terrasse, wenn man die Sachen vom drin gedeckten Tisch hinausträgt. Das Frühstück ist okay. Nur beim Müsli erwische ich etwas so Süßes, dass ich es nicht hinunterbekomme.
Um kurz nach neun Uhr wandere ich los. Schon beim Packen des Rucksacks steht mir der Schweiß auf der Stirn.
Vorbei am Bahnhof und der Talstation der Bregenzer Rothornbahn wandere ich bei strahlendem Sonnenschein auf das Ende des Sees zu. Auffällig ist auch hier, dass (fast) alle Leute freundlich grüßen und gut gelaunt zu sein scheinen. Wird man durch diese Traumlage und das Klima zum besseren, freundlicheren Menschen? Oder wollen/können die Griesgrame der Welt nicht hierherkommen? Seltsame Gedanken – ich genieße es auf jeden Fall!
Am Strandbad verlasse ich den Brienzersee und folge der Markierung zum Brünigpass, den ich angeblich in drei Stunden erreichen soll.
Das Wilerhorn (2005 m) ist der letzte Berg in der Kette auf meiner Seeseite. An diesem kann ich mich gut orientieren, denn rechts daneben liegt der Brünigpass.
Von Hofstetten aus habe ich einen tollen Blick in Richtung Meiringen, also zum Ende des Aaretals. (Hier über den noch wintergesperrten Sustenpass – und schon ist man in Wassen, wo ich in ca. zwei Wochen auch sein möchte).
Oberhalb des gut frequentierten Parkplatzes des Freilichtmuseums Ballenberg geht es weiter. Die urigen, dunklen Holzhäuser gefallen mir sehr.
Im Kirchengemeinde-Haus singt ein Frauenchor, und ich stille meinen größten Durst am Dorfbrunnen. Mir fallen heute die vielen (vermutlich privaten) E-Roller auf. Nicht nur in den Städten sieht man sie hier häufig, sondern auch auf dem Land.
In Brienzwiler, mit schönem Blick auf den Wasserfall auf der gegenüberliegenden Talseite (unweit Meiringen) aktiviere ich den Kamel-Modus und trinke mich am Brunnen satt. Bis zum Pass wird es voraussichtlich keinen Brunnen mehr geben.
Hier darf ich nun die Straße verlassen und wandere auf einem Bergweg hinauf. Jetzt gibt es nur noch eine Richtung: hoch! In Serpentinen windet sich der Weg durch den Wald und auch durch einige Bärlauchfelder. (Ja – es sind sicher keine Tulpen – oder womit die Städter Bärlauch sonst gerne verwechseln)
Wie ich so den Berg hinaufkeuche, kommen mir zwei mittelalte Frauen entgegen. Die Muscheln am Rucksack outen sie als Pilger. Die Sprache als Deutsche. Ihr Endziel ist tatsächlich Santiago. Sie haben drei Monate Zeit. Wow!
Ich erreiche meinen höchsten Punkt bei 1090 m. Die Straße war die ganze Zeit weder sicht- noch hörbar. Jetzt geht es hinab nach Brünig. Das letzte Stück zum Straßen-Pass hinauf verläuft der Wanderweg ein paar Minuten dicht neben der viel befahrenen und lauten Straße. Ganz schnell vergessen!
Am Bahnhof hole ich mir etwas Wasser. Dieser Lärm und die unentspannten Menschen, die gleich rumhupen müssen, wenn jemand eine Millisekunde zu langsam auf den Parkplatz fährt, nerven mich kolossal.
Laut Karte verläuft der Jakobsweg nun oft in Straßennähe. Kurz vor dem Pass habe ich allerdings einen Wegweiser nach Lungern gesehen, der länger ist und zudem als Bergweg (weiß-rot-weiß) markiert ist, und Richtung Wilerhorn führt. Diesen nehme ich jetzt!
Auf einem Schotterweg geht es indessen von der Passhöhe (1008 m) steil hinauf.
Bei Schäri (1224 m) stehen vier Holzhütten und ein Brunnen. Auf der Bank vor einer Hütte mache ich Mittag. Diese Stille! Nur das Plätschern des Brunnens. Vereinzeltes Vogelgezwitscher. Brummen von Insekten. Kein anderer Mensch. Das ist MEIN Kraftort!
Nachdem ich fertig gegessen habe – und auch etwas geruht – kommt von hinten ein kleines Auto angefahren. Es ist der in Brienz wohnende Eigentümer (oder Pächter) nebst Frau, die dem Trubel unten entkommen möchten. Der Mann ist erst überrascht, jemanden auf seinem Bänklein sitzen zu sehen, aber dann freundlich. Auch bestätigt er, dass der Brunnen Trinkwasser speit. Die Frau schaut eher böse. Ich wechsele ein paar Worte mit dem Mann (so von Eidgenosse zu Eidgenosse. Hier hat mich der Dialekt 100%ig „gerettet“). Dann packe ich meinen Kram ein und wandere weiter. Das war sooo schön!
Im Abstieg überquere ich auf irgendeiner Kuhweide die Kantonsgrenze nach Obwalden.
Bei Chluiswald muss ich mich wieder entscheiden, ob ich nun direkt nach Obsee absteige, oder den etwa längeren Weg wähle und damit wieder auf dem Jakobsweg nach Lungern bin. Ich entscheide mich für den längeren Weg, denn was soll ich den ganzen Nachmittag (Achtung! Flacher Wortwitz) im Hotel rumlungern? Diese Entscheidung soll ich noch bereuen.
Nach einer gefährlichen Straßenüberquerung in einer Kurve, wo man nichts sieht und nach Gehör loslaufen muss, bin ich wieder auf der Via Jacobi. Wenn da ein Tesla oder anderer E-Sportwagen kommt, benötigt man Glück/Schutzengel. Ein wunderbarer Bergpfad führt mich bis nach Lungern – allerdings immer in Hörweite der Straße. Ich kann es ob des Lärms überhaupt nicht genießen und erreiche Lungern mit Kopfschmerzen. Dieses Stück Weg würde ich nur noch an einem „autofreien Sonntag“ gehen. Sonst nicht! Wobei – die Autos sind schon schlimm genug, aber die Motorräder … So langsam kann ich nachvollziehen, dass es Menschen gibt, die ein generelles Motorradverbot fordern. Ein ganz schreckliches Stück Weg!
Ich steige zur Kirche hinauf, genieße den Ausblick und setze mich in den Schatten. Der Schädel brummt – Sonne und der Lärm fordern ihren Tribut.
In Bahnhofsnähe finde ich das riesige Gebäude des „Emma‘s Hotel B&B“. Ich hatte etwas Kleines erwartet, weil ich mit B&B nicht ein „Hotel garni“ assoziiert hatte. Der Check-in funktioniert vollautomatisch wie bei einer riesigen Hotelkette. Das Haus macht dennoch einen freundlichen Eindruck und auch das Zimmer lässt keine Wünsche offen. Jetzt erst einmal eine kalte Dusche!

Länge Auf Ab
19 km 869 Hm 685 Hm

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Tag 15 - Von Lungern nach Flüeli-Ranft

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Lungern, 14.06.2021

Die Sonnenstrahlen lassen das Wilerhorn im Morgenlicht erstrahlen. Das ist das Erste, was ich vom Bett aus sehe, in dem ich sehr gut gelegen und geschlafen habe.
Der Frühstücksraum haut mich um. Alles super liebevoll mit historischen Accessoires und witzigen Sprüchen dekoriert. Dazu kommt ein aufmerksamer Service und ein hochwertiges Buffet. Ein Traum!
Im Volg kaufe ich etwas Obst und begebe mich auf die andere Seeseite (NW) und wandere unterhalb der Dundelbachfälle eben entlang des Lungerersees (mehrere Schreibweisen erlaubt). Sehr interessant ist auch die Historie dieses natürlichen Sees, der Ende des 18. Jahrhunderts um 35 m tiefer gelegt wurde, um Nutzland zu gewinnen. Dies wurde später rückgängig gemacht, um die Wasserkraft zu nutzen. (Wiki hat einen interessanten Artikel hierzu).
Auch wenn alles bei diesem Wetter malerisch und schön aussieht, gab es hier schon schlimme Unwetter-Katastrophen. Dass die Kirche von Lungern auf einem hohen Hügel steht, ist kein Zufall … – die alte wurde durch ein Unwetter 1881 größtenteils zerstört.
Am Ende des Sees wandere ich auf den Kaiserstuhl hinauf und blicke auf den Sarnersee, zu dem ich nun möchte.
Interessant ist es, unter der Autobahnbrücke entlangzuwandern und zu sehen, dass die Brückenpfeiler in tiefen zylindrischen Beton-Löchern stehen, die unten entwässert werden. So wird also dafür gesorgt, dass die Pfeiler „trocken“ stehen können. Zudem wirken vermutlich Kräfte aufgrund von Verschiebungen des oberen Erdreichs nur auf den Zylinder – und nicht auf den Pfeiler. Das habe ich so auch noch nie gesehen.
In Giswil werde ich wieder in Versuchung geführt, über einen zwei Stunden längeren und deutlich mehr Höhenmeter fordernden Bergweg an mein Ziel zu gelangen. Heute widerstehe ich der Versuchung. Stattdessen wandere ich auf dem Uferweg nach Sachseln. An einem schattigen Plätzchen direkt am See mache ich Mittagspause. Einige Leute liegen am See, aber selbst im gut frequentierten Strandbad sehe ich insgesamt keine Handvoll Leute im Wasser. Vermutlich ist es noch recht kalt.
Das markante Stanserhorn direkt vor mir, welches morgen neben meinem Weg liegt, ruft laut nach mir. Auch wenn es reizt, muss ich auf dem Ohr taub bleiben, denn sonst käme ich auf ca. 9,5 Stunden (markierte) Gehzeit und mindestens 1200 Hm rauf und 1400 Hm runter. Das wäre eine reizvolle Tour mit leicht(er)em Rucksack und anschließendem Entspannungstag. Und mit der (spektakulären) Bahn runterzufahren, ist für mich keine Option! Ich bleibe brav auf der Via Jacobi. Schluss! Aus! Basta!
Nach einigen Pausen gehe ich in Sachseln noch einkaufen. Für das Abendessen und für die Wanderung morgen, denn in Flueli-Ranft und den Orten auf dem Weg gibt es keinen Laden. (Laut Recherche ist nämlich mein Gasthaus geschlossen – beim anderen Haus am Platz bin ich nicht ganz sicher, aber die Speisekarte spricht mich nicht an, da es nur Fleisch/Fisch-Gerichte und langweiligen Salat gibt. Und das Jugendstil-Hotel-Restaurant ist mir zu gehoben. Ich bin gewandert und möchte a) satt werden und b) nicht angestarrt werden.)
Beim Aufstieg kommt mir Pilger Stefan entgegen und fragt mich, wie weit es noch sei … So kommen wir ins Gespräch. Er ist erfahrener und gläubiger Pilger und erst seit heute wieder unterwegs (und kam wegen der Arbeit erst später als geplant los). Er hat wie immer nichts gebucht und lässt sich vom Weg herausfordern (und der Herr oder der Weg wird es schon richten). Er meint, er habe in dieser Hinsicht enormes Gottvertrauen und es habe sich bisher immer etwas ergeben. Einen Schlafsack hat er auch nicht dabei. Er hat sich bei Gewitter auch schon mal in eine Kirche gesetzt und gewartet, bis der Pfarrer zuschließen wollte, um zu fragen, ob er in der Kirche übernachten könne. Und wurde dann eingeladen. Dieses Mal möchte er innerhalb einer Woche nach Fribourg kommen. Für heute (es ist 16 Uhr) hat er weder eine Idee, wohin er noch wandert, noch wie weit welche Orte entfernt sind, noch wo er unterkommt. Er sagt, das entspanne ihn kolossal. Na gut – ich kann mir das für mich nicht vorstellen.
Über steile Almwiesen steige ich nach Flüeli-Ranft auf. Die Sonne brennt – die Aussicht ist prima. Das Gasthaus Paxmontana, in dem ich gebucht habe, ist noch im Winterschlaf, sodass ich ins gleichnamige Jugendstil-Hotel, welches 300 m entfernt ist, gehe, um dort einzuchecken.
Alles – incl. Frühstück – findet hier statt. Nur nicht mein Zimmer. Das ist im Gasthaus. Bei dem Wetter ist das zu verkraften – richtig toll finde ich es dennoch nicht. Den alkoholfreien Begrüßungs-Apéro nehme ich daher gleich auf der Jugendstil-Hotel-Terrasse ein. Wunderbar.
Flüeli-Ranft ist übrigens ein bekannter Wallfahrtsort des Schweizer Nationalheiligen „Bruder Klaus“ bzw. Niklaus von Flüe. Er lebte im 15. Jahrhundert, verließ seine Familie mit zehn Kindern, als der älteste Sohn zwanzig Jahre alt war und die Familie ernähren konnte, um sich nur unweit in der „Ranft“ als Einsiedler niederzulassen und dort in seiner Klause ein intensives Gebetsleben zu führen. Für mich interessant ist, dass er an meinem Geburtstag geboren und gestorben ist und 70 Jahre alt wurde. Das war zu der Zeit ein unglaubliches Alter. Die „Ranft“ mit seiner Klause muss ich mir morgen unbedingt noch anschauen.
Aus meinem Zimmer, welches trotz Upgrade auf Doppelzimmer recht einfach ist, kann ich direkt auf das ursprüngliche Wohnhaus von Bruder Klaus und die wunderschöne Berglandschaft blicken. Im Zimmer befindet sich sogar ein Fernglas, mit dem ich die tolle Bergkette dahinter bestaunen kann. Und dank des Dachbalkens, der auf 1,90 m quer durch das Zimmer verläuft, kann ich sogar ganz ohne Equipment und auch tagsüber die Sterne sehen.
Fazit: Auch heute war wieder ein besonderer Tag, den ich sehr genossen habe.

Länge Auf Ab
21.2 km 358 Hm 390 Hm

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Tag 16 - Von Flüeli-Ranft nach Stans

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Flüeli-Ranft, 15.06.2021

Die Nacht war verhältnismäßig ruhig und ich habe gut geschlafen. Ich gehe zum Frühstück also wieder hinüber zum Jugendstil-Hotel. Heute unter dem Motto „Digital Detox“, weshalb es auch keine Fotos vom guten Buffet (incl. Alpenbutter-Spender) und der herausragenden Aussicht vom Wintergarten gibt. Ich finde, „Digital Detox“ klingt sehr viel besser als „iPhone im Zimmer vergessen“. (Ob das die Nachwirkungen des Dachbalkens sind?)
Die Leute sind hier entweder chic angezogen oder mit stylishen Outdoor-Outfits ausgestattet. Ich fühle mich mit meinem zweckmäßigen (aber unlängst gewaschenen) roten Merino-Shirt und den blauen Crocs ein wenig wie ein bunter Hund. Beim Warten auf mein Frühstücks-Ei, das man hier selbst kochen darf, spricht mich eine Frau an, ob ich denn auf dem Jakobsweg unterwegs sei. Sie habe das auch schon gemacht … Obwohl sie mit ihrem Mann unterwegs ist, scheint sie einen noch größeren Redebedarf zu haben, als ich. Zum Glück ist so ein Ei auch mal fertig.
Apropos Eier. Ich weiß nicht, wie oft ich in Hotels schon „schlechte“ weiche Eier hatte – nämlich immer zu hart. Hier darf man sich selbst versuchen – das wird dann erfahrungsgemäß auch nichts, aber immerhin ist man selbst dafür verantwortlich. So perfekt wie meine Frau die Eier zu Hause kocht, habe ich das im Hotel noch nie erlebt.
Bis ich gepackt habe, ist es fast neun Uhr.
Der Weg führt hinab in die steil eingeschnittene Ranft-Schlucht, wohin sich Bruder Klaus in seine Einsiedelei und seine Kapelle zurückgezogen hat. (Die Ranft-Schlucht ist nur ein kurzes Teilstück des durch die „Grosse Melchaa“ gebildeten Melch-Tals.) Hier unten lenkt zumindest die Aussicht nicht von der Konzentration auf „das Wesentliche“ ab. Nachvollziehbar ein idealer Ort für Ruhe, Reflexion und Gebet. Insgesamt ist Bruder Klaus eine Person, mit der man sich gerne mal etwas beschäftigen kann. (Auch die politischen Aspekte seines Wirkens.)
Wo es steil hinuntergeht, geht es meist steil auf der anderen Seite (zum Glück noch im Schatten) wieder hinauf. Ein grandioser Blick auf Flüeli-Ranft und das Pilatus-Massiv bietet sich. Mir war gar nicht gewusst, dass der Pilatus kein einzelner Berg ist, sondern ein Bergmassiv mit mehreren Gipfeln. Der höchste Gipfel ist das Tomlishorn. Der Gipfel, in dessen Nähe man mit der Bergbahn herauskommt, ist nämlich zehn Meter niedriger und heißt „Esel“ (welch treffender Name). Deshalb nennt man ihn dann wohl auch „Pilatus Kulm“. Das muss schön sein, dort oben!
Nun also hinauf zur Kapelle nach St. Niklausen mit dem alten Turm, die sich jedoch aufgrund des Sonnenstands nicht fotografieren lässt. Nach einer Stunde bin ich nun also doch schon zweieinhalb Kilometer weit gekommen! Dafür habe ich jetzt bereits alle kulturellen Höhepunkte des Tages gesehen.
Jetzt also mal wandern!
Überall auf den Wiesen wird Heu gemacht. Dieser Geruch – auch wenn man an einem frisch gefüllten Heuschober vorbeikommt – sooo unverwechselbar angenehm.
Beim hässlichen Betonklotz des Klosters Bethanien, an dem ich dicht vorbeiwandere, blicke ich gerne noch einmal zurück auf den Sarnersee und die weißen Berggipfel.
Eine Bank mit seltsamen Inschriften gibt mir Rätsel auf – später sehe ich noch eine ähnliche. Ist das ein Sprachkurs? Sachdienliche Hinweise für die drei linken Begriffe nehme ich gerne entgegen.
Bald darauf öffnet sich vor mir der Blick und ich kann wunderbar das Stanserhorn und den Alpnachersee vor mir liegen sehen. Der Vierwaldstättersee versteckt sich noch um die Ecke.
Als ich mal wieder an einem Brunnen stehe und trinke, kommt eine Schweizer Pilgerin dazu. Wir kommen ins Gespräch. Da sie einen netten Eindruck macht, erkundige ich mich nach ihrer Planung. Sie möchte noch bis Genf pilgern und bucht immer nur für den aktuellen oder maximal nächsten Tag, hat nur einen Hüttenschlafsack dabei, und gerade dieses Jahr überhaupt keine Probleme. Die „ganzen Deutschen“ fehlen nämlich wegen COVID. Sie übernachtet in privaten Unterkünften, die auf der Schweizer Pilgerwebsite genannt sind, oder in B&B's oder eben auch in Pilgerunterkünften. Auch vor drei Jahren ging das nach diesem Verfahren problemlos, wenngleich es deutlich voller war. Sehr interessant!
In St. Jakob erreiche ich den Kanton Nidwalden. Ganz in der Nähe der Kirche (Wasser!) finde ich einen schönen, schattigen Platz und mache Mittagspause.
Als ich den letzten Hügel bei Murmatt besteige, ist es so weit. Hergiswil, Stans und der Vierwaldstättersee liegen vor mir. Natürlich sehe ich auch die riesige Schweiz-Fahne am Rigi bei Vitznau, die nun im 21. Jahr hängt. Selbst den "Großer Mythen" kann ich in der Ferne gut erkennen. Ein Gipfel mit schönen Erinnerungen und dazu noch ein guter Orientierungspunkt!
Wie ich so weiter wandere, höre ich beim Näherkommen an einem Steilhang ohrenbetäubenden Lärm. Drei Männer mit Benzin-Laubbläsern blasen das Heu den Hang hinunter. Das ist vermutlich einfacher/besser als zu rechen – verblüfft mich auf den ersten Blick aber doch. Immerhin trägt der jüngste von ihnen Lärmschutz-Mickeymäuse. Die anderen haben wahrscheinlich noch nie etwas von Arbeitsschutz gehört. Mir klingeln schon nach der kurzen Zeit des Vorbeigehens die Ohren!
Jetzt ist es nicht mehr weit – ich sehe gerade noch einen Wagen der historischen Stans-Standseibahn, die bis zur Station „Kälti“ fährt (ab dort die top moderne Cabrio-Gondelbahn) – und schon bin ich im Dorf. Das Hotel Stanserhof befindet sich unweit der Talstation. Ich checke ein, bekomme ein frisch renoviertes Zimmer (mit dem bisher langsamsten Internet mit 6 Mbit), dusche mich und wasche die Wäsche und gehe dann noch einmal auf eine Dorfbesichtigungs-Runde, die ich mit dem nötigen Einkauf kombiniere. Morgen möchte ich etwas früher los, da am Abend die Schifffahrt nach Brunnen ansteht.

Länge Auf Ab
17.6 km 350 Hm 626 Hm

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Tag 17 - Von Stans nach Brunnen

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Stans, 16.06.2021

Der gestrige Abend wurde noch „lustig“. Die ganze Zeit hatte es im Bad schon so seltsam gegluckert … – irgendwann möchte ich mir mal die Hände waschen und stelle fest, dass nur heißes Wasser kommt. Seltsam. Ich warte ab – und versuche es nach einer Viertelstunde noch einmal. Jetzt kommt kaltes Wasser mit vielen Lufteinschlüssen und dafür braun. Hmmm. Da scheint also jemand etwas zu reparieren. Ich lese weiter und versuche es später noch einmal. Nun plötzlich kaltes, klares Wasser. Prima, denke ich. Und wie ich so da stehe, gluckert es wieder und aus dem Abfluss der neuen, stylish flachen Duschtasse steigt Wasser. Oh...
Na ja – Zimmer 13 - kann ja schon mal vorkommen. Ich beobachte das – und binnen kürzester Zeit steigt das Wasser so weit, dass es aus der Dusche läuft. Flachduschen haben ja nur so etwa 1 cm Gefälle/Rand. Und der hat mich beim Duschen schon nicht begeistert. So kann das nicht weitergehen. Ich versuche, mit einem Handtuch ein wenig abzudichten und gehe zur Rezeption. Es ist etwa halb elf und ich wollte eigentlich schlafen gehen. Die Rezeption ist geschlossen. Ich gehe zur Cocktail-Bar im gleichen Haus und frage, ob jemand Bescheid weiß. Die Barkeeperin mit magentafarbenen Haaren (kann auch pink sein) nimmt sich meiner an, greift zum Telefon und verschwindet. Sie kann zwar den richtigen Chef nicht erreichen, aber ich bekomme jetzt ein anderes Zimmer im nicht renovierten Trakt. Als sie mir das Zimmer zeigt, erfahre ich en-passant, dass es gestern einen Wasserrohrbruch gegeben hat und auch gerade eben erst einen Rohrbruch mit dem Frischwasser. Beim Rückweg nehmen wir eine Abkürzung und ich sehe, wie das Wasser – nur mittels Plastikplane gefasst – aus der Decke läuft und in großen Müllcontainern aufgefangen wird. Was für ein Glück gehört mir der Schuppen nicht und ich kann morgen wieder verschwinden. Also ziehe ich mit Sack und Pack ins neue Zimmer und bin kurz vor Mitternacht im neuen Bett. (Den angebotenen Drink aufs Haus in der Bar lasse ich ausfallen. Dafür, dass sie nicht wirklich zum Hotel gehört, hat „Magentafrisur“ das richtig gut gemanagt).
Das war eine echt heiße Nacht! Ich wache völlig nassgeschwitzt auf. Da ich keinerlei Hunger verspüre, mache ich mich nach etwas Morgengymnastik und einer kalten Dusche gleich auf den Weg. Die Frau an der Rezeption tut mir leid. Sie weiß zwar über das Zimmer Bescheid, konnte es sich aber noch nicht anschauen, da sie alleine ist. Dafür ist sie sehr nett, bietet mir Kaffee und etwas zum Frühstücken an, aber ich lehne ab. Einen Apfel nehme ich dann gerne mit. Ich will jetzt los!
Selbst jetzt um kurz nach acht hat es schon 20 Grad. Am Kollegium St. Fidelis vorbei verlasse ich den Ort. Da ich nach Osten laufe, kann ich dank strahlender Sonne nur Berg-Silhouetten erkennen.
Ich überquere den Fluss Engelberger Aa (nicht über den Namen nachdenken!) der in den Vierwaldstättersee fließt und schwitze mich schattenlos und steil einen Hügel hinauf. Am Bauernhof auf dem Gipfel ein Hinweis auf eine Toilette, dem ich gleich mal folge. Wie prima ist das denn!! Da eröffnet jemand einfach mal eine Toilette am Jakobsweg – mit allem Drum und Dran (Seife, Hygieneprodukte, Gästebuch). Für mich war das frische Wasser das Kriterium. (Und das Danke-Schwein habe ich auch mit Fränkli gefüttert).
Beim Chäpellisitz steht eine von außen unscheinbare und von innen unerwartet hübsche Kapelle, die im Jahre 1920/21 wegen einer ausgebliebenen Viehseuche von den Viehbesitzern gespendet wurde. Heute führen ausbleibende Katastrophen zu vielem. Aber zu Dankbarkeit? Bei einigen vielleicht.
Sanft senkt sich die Straße nach Ennerberg und weiter nach Buochs. Vereinzelt bimmeln Kühe – hin und wieder kommt ein Auto, selten startet ein kleines Flugzeug. Schön!
An der Kirche mache ich mit schönem Blick über den Ort im Schatten Frühstückspause. Da ich letzte Nacht keinen Kühlschrank hatte, ist aus dem Weichkäse ein Sehr-Weich-Käse geworden. Zum Käsefondue ist es nicht mehr weit. Schmeckt aber immer noch!
Ich erreiche den See und als ich ihn nach einer Weile verlasse und zur barocken Pilgerkapelle Beckenried komme, wandere ich immer noch auf Teerstraße. Das wird heute wieder hart für die Füße. Zum Glück gibt es immer mal wieder einen Brunnen oder WC, wo ich trinken und meinen Hut wässern kann. Es ist so heiß!
In Beckenried hat gerade das Schiff (jetzt sind die auch schon dreistöckig – ich hatte sie kleiner in Erinnerung) angelegt und speit Touris aus. Zum Glück keine Aida, aber es reicht auch so.
Weiter geht es auf der Uferstraße – die inzwischen sichtbaren Mythen fest im Blick. Davor liegt Schwyz und auch Brunnen, wo ich heute Abend zu übernachten gedenke.
In Rütenen (am See) ist Schluss mit lustig. Unter der Autobahn hindurch will nun der Hügel steil als Bergwanderweg erklommen werden. Immerhin 330 Hm bis in das Dorf dort oben. Also: Kopf aus – Füße an! Über viele Stufen führt der Weg meist schattig nach oben. Ich komme gut voran und bin schon nach knapp 40 (statt markierten 55) Minuten in Emmetten. Zum Glück hatte ich Wasser dabei. Bin dennoch sehr erhitzt. Nach einem tollen Brunnen mit wahlweise Quell- oder Leitungswasser (in den ich mich aus Versehen mit dem Allerwertesten reinsetze) geht es schon gleich wieder besser! Ich mache vor dem Volg Mittagspause und nach einer guten Portion Hummus mit Brötchen geht es mir wieder richtig gut. Der Ausblick auf den Vierwaldstättersee beim Aufstieg war einmalig.
Nachdem ich Emmetten verlassen habe, folgt ein Weglein, bei dem mir das Herz aufgeht. Es ist schmal, steinig und zieht sich in stetem Auf und Ab im Wald unterhalb der Felswand des Stützberg entlang. Immer wieder komme ich an Aussichtspunkte, von denen ich den See und die Bergwelt bestaunen kann. Dieses Stück Weg ist das Sahneschnittchen der letzten Tage. Einfach ein Traum!
Das letzte Stück von Seelisberg (übrigens Kanton Uri) nach Treib verläuft eigentlich unspektakulär über (Weide-)Wiesen nach unten. Wäre da nicht dieses eine verflixte Gatter, welches nicht aufgehen möchte. Ich habe echt viel Erfahrung mit Schweizer Weidegattern in verschiedenster Ausführung. Doch dieses Ding geht nicht auf. Ich rüttele – versuche zu schieben, weil ich Rollen sehe. Mal nach links – mal nach rechts. Es tut sich nichts. Ich verbringe ungelogen mehrere Minuten mit diesem Tor – checke auch noch einmal, ob ich auf dem richtigen Weg bin – hoffnungslos! Gerade überlege ich, ob ich lieber über den Elektrozaun steigen soll, oder doch über das Gatter, welches auch nicht so super fest steht, dass ich darüber klettern könnte - da geschieht das Wunder. In einer Hebe-Kipp-Schieb-Bewegung entriegelt sich das Tor und lässt sich zur Seite schieben. Ich komme mir etwas blöd vor und bin doch happy.
In Treib an der Bootsanlegestelle ist die Etappe, und damit die Via Jacobi in West-Ost-Richtung für mich beendet. Dies sogar etwas früher, als ich ursprünglich erwartet hatte, denn Komoot hat mir gut zwei Kilometer für die Schifffahrt eingeplant. In meinen Tracks werden aber nur Strecken gezählt, die ich selbst gelaufen bin.
Es folgt nun die wunderbare, siebenminütige Schifffahrt nach Brunnen (im Kanton Schwyz), für die ich mir sogar das 1.Klasse-Ticket gegönnt habe, um auf das Oberdeck zu können.
Ich checke im direkt am See liegenden Hotel „Schmid & Alfa“ mit Seeblick und Balkon ein. Im Moment herrscht auf dem Balkon zwar Bullenhitze, sodass man nicht drauf kann. Mal abwarten!
Nachdem ich geduscht und meine Sachen gewaschen habe, suche ich mir ein kaltes Bier und einen Salat im Coop und gebratenes Gemüse vom Chinesen und setze mich damit auf den Balkon.
Wie ich dort so sitze und an meinem Bericht schreibe, tritt an der etwa 50 Meter entfernten Anlegestelle eine zehnköpfige Alphornbläser-Gruppe mit Fahnenschwingern auf. Schöner kann ein Tag doch gar nicht enden?

Morgen ist übrigens „Ruhetag“ und am Samstag geht es dann von Kreuzlingen auf dem E1, der bis Brunnen auf der Via Jacobi verläuft, weiter.

Länge Auf Ab
24 km 663 Hm 669 Hm

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Ruhetag in Brunnen - Besteigung Stockflue

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Brunnen, 17.06.2021

Es dauerte gestern noch eine Weile, bis bei mir Ruhe einkehrte. Ein Hotel in solch toller, zentraler Lage mit Restaurants und Bars bringt auch einen gewissen Geräuschpegel mit sich. Zudem muss ein Fußballspiel stattgefunden haben, denn als ich noch auf dem Balkon saß, hörte ich „Hopp Schwyz“-Rufe. Dank der Tatsache, dass um 23 Uhr ein Auto-Corso losging, bei dem „Forza Italia“ skandiert wurde, tippe ich auf „Fußball“ (oder Soccer, wie man hier sagen würde) und weiß genug über das Spiel (bzw. „den(!) Match“). Besser niemanden drauf ansprechen. Und dazu ist es noch unglaublich warm. Zum Glück gibt es im Zimmer einen Ventilator, sodass sich die Luft mindestens bewegt.
Da heute „Ruhe“tag ist, stelle ich den Wecker leiser. Ich brauche ihn ohnehin nur, um zu wissen, wann ich aufstehen darf, um Frühstück zu bekommen. Wach bin ich sowieso schon immer. Und meist auch voller Tatendrang.
Für heute habe ich mir die Stockflue (1136 m) vorgenommen – einen markanten Felsen des Urmibergs (einem Ausläufer der Rigi), der auch Duume (Daumen) genannt wird. Beim Recherchieren des Ziels lese ich, dass dieser über einen Alpinweg (blaue Beschilderung) in 1,5 Stunden über den Bützi erreicht werden kann. Schwierigkeit ist T5 und Kletterstellen im II. Grad. Das mag spannend sein und Wege dieser Einstufung habe ich auch schon gemacht, aber in diesem Leben ist Schluss damit! ABER es gibt auch einen Hauptweg, über den man in 10 Minuten (angeblich gut gesichertem) Alpinweg vom Timpel – dort ist sogar eine Bahnstation – aufsteigen kann. Ein paar Bilder und eine Beschreibung im Internet sehen vielversprechend aus.
Das Frühstück im Hotel ist inhaltlich in Ordnung. Ich kann es im Freien einnehmen. Die COVID-bedingte Organisation drinnen ist ein Witz. Man spielt quasi Rundlauf um einen Tisch und in der hintersten Ecke ist die Kaffeemaschine. Solange nur eine Person da ist, funktioniert das prima – ansonsten bilden sich Warteschlangen. Gerne auch ganz ohne Abstand. Für morgen muss ich mir da etwas einfallen lassen.
Ich leere meinen Rucksack (fast) komplett und nehme mir zwei Liter Wasser mit, denn es wird keine Brunnen geben. Und sicherheitshalber einen Pulli – das habe ich als Kind mal gelernt. Im Coop besorge ich mir noch etwas Obst und schon geht es los.
Ich wandere durch Wohngebiete aus Brunnen heraus und kann die Stockflue schon deutlich sehen. Heute sehe ich auch das Gipfelkreuz. Ein Bergwanderweg führt nun hinauf zum Timpel. Über steile Stufen im Wald führt er – und danach schattenlos über Pfade auf Steilwiesen. Es macht richtig Spaß, Schritt für Schritt dem Ziel näherzukommen. Natürlich ist es auch heiß und anstrengend, sodass die Brühe von der Stirn läuft. Überall sonst auch. Die Kabinenbahn ist auch in Betrieb – mein Weg quert auch ihren Verlauf. In weniger als zwei Stunden ist Timpel erreicht. Den etwa zehnminütigen Umweg zur fast gleich hohen Bergstation in Obertimpel spare ich mir, da ich genügend Wasser habe, und wende mich nach einer längeren Trinkpause und etwas Durchatmen jetzt dem blauen Alpinweg zur Stockflue zu. Ich möchte ja nicht schon atemlos einsteigen. Nach 5 Minuten kreuze ich noch einmal einen Weg. Bisher noch nichts Spannendes. Dann ein kurzer Abstieg und schon stehe ich vor dem Felsblock. Da will ich also rauf? Bisher habe ich noch keine Menschenseele gesehen. Also los!
Nach ein paar Stufen, bei denen ich die Hände verwenden muss, erreiche ich eine kurze Leiter. Der Ausstieg ist problemlos – die Leiter an sich sowieso. Nun sehe ich die Schlüsselstelle. Ein Felsband, welches sich hinaufzieht und auch abgesichert ist. Blöd ist nur, dass eine Stelle nicht besonders hoch ist und ich einen Rucksack aufhabe. Ich muss mich schon ganz schön dicht an den Felsen schmiegen, damit ich raufkomme. Und dann ist es auch schon vollbracht!
Ein unglaublicher Rundblick! Wow! Ich bin sprachlos!
Ich mache Gipfelfotos – und vergesse, wie mir jetzt beim Schreiben des Berichts einfällt – mich im Gipfelbuch zu verewigen. Mist!
Der Abstieg ist ja meist heikler als der Aufstieg – und vorsichtig will ich ja auch sein. Ich bastele mich gerade durch die Schlüsselstelle und kämpfe mit dem Rucksack, denn beim Abstieg schiebt sich dieser nach oben, sobald er irgendwo dagegen stößt und wirkt somit wie ein Klemmkeil – als ich Stimmen höre. Na prima! Ich rufe dem Paar zu, sie mögen sich noch einen Moment gedulden, versuche ruhig zu bleiben und mühe mich weiter ab. Gleich drauf habe ich es geschafft und die kritischen zwei Tritte hinter mich gebracht, ohne dass der Rucksack steckenbleibt (die daran befestigten Stöcke sind nicht extrem hilfreich) und ohne dass ich mir ein Bein irgendwie blockiere.
Großer Vorteil ist, dass ich nun ein paar Bilder und ein kurzes Video machen kann, wie der Weg verläuft und wie man dort hochgeht. Die beiden machen das schon recht gut. (Hinweis: Da ich kein Recht am Bild habe, entferne ich dieses auf Anfrage gerne)
Nachdem nun der Höhepunkt des Tages geschafft ist, mache ich Pause und stärke mich, als ich wieder zurück auf dem normalen Weg bin. Ich starte den Abstieg ins Tal ein paar Minuten nachdem auch das andere Paar vorbeigegangen ist. Unschön geht es erst über einen grob geschotterten und mit Steinen durchsetzten Fahrweg hinab, der sich bald in eine Teerstraße wandelt. Na Prima! Ich hole die anderen immer mehr auf und bemerke, wie sie die Straße plötzlich verlassen. Oh – da ist tatsächlich eine Markierung. Ob ich die gesehen hätte? Vielleicht.
Nun sind wir auf einem Wurzelpfad und der Untergrund wird weicher. Als wir wieder auf ein Sträßchen kommen, habe ich komplett aufgeholt. Ich spreche sie an, da ich neugierig bin, ob sie den gesamten Alpinweg-Aufstieg von unten gegangen seien. Sie verneinen und die Frau meint, dieser sei ziemlich hart, sie wäre das vor ein paar Jahren mal im Abstieg hinunter. So durchtrainiert wie sie aussieht, glaube ich ihr das gerne. Nein – heute seien sie mit der Bahn zum Timpel hochgefahren....(sie erzählt etwas von einer Tour am Vortag, aber das sagt mir nichts). Und sie erkennen mich auch wieder, denn sie hatte mich aus der Bahn wohl beobachtet. Das erklärt mir auch, warum sie einerseits so entspannt ankamen und andererseits komplett ohne Rucksack und nur mit einem kleinen Wasserfläschchen ausgestattet sind.
Ich bedanke und verabschiede mich und „lasse es laufen“. Es folgt noch ein schönes Stück auf einem felsdurchsetzten Waldweg – quasi meine Lieblingswege – und im Abschluss natürlich Teerstraße.
Der Abstieg ging mächtig in die Oberschenkel (und z.T. die Knie).
Insgesamt merke ich leider, dass meine Trittsicherheit schon deutlich gegenüber früher nachgelassen hat. Und auf Alpinwegen bin ich ein echter „Schisser“ geworden. Leider übt sich das nur durch Übung – und dafür muss man in die Berge. Im Taunus lebend wird es mit (max.) einer Alpenwoche im Jahr schwierig, diesen Prozess zu stoppen. Ich könnte mir vorstellen, dass ich, wenn ich diese oder ähnliche Touren 3–4 Wochen täglich absolvieren würde, auch wieder ganz anders durchs Gelände springen könnte.
In Brunnen besorge ich mir einen leckeren Salat und ziehe mich in meine Dunkelkammer mit Ventilator zurück.
Und dann folgt der Mittagsschlaf! Wunderbar! Das war ein super Ruhetag!
Und als am Abend die Sonne weg ist, lasse ich den Tag auf dem Balkon ausklingen.

Länge Auf Ab
9.9 km 688 Hm 690 Hm

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Reisetag nach Kreuzlingen

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Brunnen, 18.06.2021

Heute ist ein Reise-Ruhetag. Da ich ja ursprünglich den Fernwanderweg E1 von Pforzheim aus wandern wollte und die Via Jacobi, die „Corona-Alternative“, die ich keinen Moment bereut habe, sondern im Gegenteil sehr froh darüber bin, dass ich das gemacht habe, muss ich morgen in Konstanz/Kreuzlingen starten. Daher fahre ich nach dem ausgiebigen und sehr entspannten Frühstück mit dem Zug und über Zug nach Kreuzlingen am Bodensee (im Kanton Thurgau). Kreuzlingen gehört mit einem Ausländeranteil von 55 % (!) zu den Schweizer Städten mit dem höchsten Anteil an Ausländern. (Landesschnitt übrigens 23 %)
Aber wo sind hier meine geliebten Berge? Alle weg! Das ist der große Nachteil am schnellen Reisen – man kann sich nicht langsam entwöhnen. Na ja – ab morgen geht es ja wieder in Richtung Alpen!
In Kreuzlingen bin ich in der Sportarena untergebracht. Wenn man sich an den Betonwänden des Zweckbaus nicht stört, ist es ein wirklich gutes und gut ausgestattetes Zimmer. Sicher nicht das gleiche Flair, wie in Flüeli-Ranft, aber dafür garantiert ohne störende Dachbalken. Leider ist das WLAN zwar stark, aber das Internet extrem langsam.
Da mein Zimmer nur eine Fußballplatz-Länge vom See entfernt liegt, wage ich sogar ein kurzes Bad im „Schwäbischen Meer“ und bin überrascht, wie warm das Wasser ist. (Zumindest in den paar Metern am Rand, in denen ich schwimme. Da der Bodensee über 250 tief ist, ist das bestimmt nicht überall so.) Heute bin ich sehr froh, dass ich Crocs dabeihabe, denn sonst würde ich mich über die glitschigen Steine nicht ins Wasser wagen.
Nachdem ich mich sicherheitshalber abgeduscht habe, schlendere ich noch eine große Runde durch den weitläufigen Seepark.
Laut Apple Watch bin ich heute gut 14 Kilometer unterwegs gewesen, ohne dass ich das eigentlich wollte. Alles in Crocs. Die Füße freuen sich über die viele frische Luft. Dafür zieht es in den Knien. Hoffentlich ist das morgen wieder weg.
Bei der Rückkehr ins Hotel realisiere ich erst, dass die Sportarena unmittelbar an der Grenze liegt – man nennt das hier Klein-Venedig. Und zwar genau an der Stelle, die im Frühjahr 2020 wegen der Corona-Grenzsperrung durch die Medien ging. (In den Fotos zwei Infotafeln hierzu). Am Strand mit ein paar öffentlichen Grillplätzen ist Party angesagt. Bei dem Wetter am Freitagabend nicht verwunderlich. Für Musik ist also auch gesorgt!

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Tag 18 - Von Kreuzlingen nach Amlikon-Bissegg

CE9D53FC-4A1D-4B76-8BF9-1FAEB32AA80DKreuzlingen, 19.06.2021

Die Nacht verlief ruhiger als erwartet. Falls laute Partys stattfanden, so habe ich sie verschlafen. Insgesamt war die Hitze der Nacht sehr schweißtreibend, und so begebe ich mich erst nach einer kalten Dusche zum Frühstück. Es gibt sehr gutes Brot und das erste Mal sehe ich Rührei. Das muss an der grenznahen Lage liegen.
Ich lasse es sehr ruhig angehen und daher ist es nach neun Uhr, bevor ich losziehe.
Ich benötige einige Zeit, bis ich etwas Obst und Hummus für den Tag eingekauft habe. Klar, es ist Samstagmorgen. In der Einkaufsstraße erfreue ich mich an den vielen Kreidebotschaften, die zum Teil sehr kunstvoll auf die Straße gemalt wurden.
Und jetzt gehe ich erstmal zum richtigen Grenzübergang, damit der E1 der Schweiz „offiziell“ starten kann. Was auffällt ist, dass die Menschen viel seltener freundlich zurückgrüßen als in der Zentralschweiz. Vielleicht hängt das DOCH mit den Bergen zusammen?
Durch Wohn- und Industriegebiet verlasse ich Kreuzlingen. Bald schon geht es in ein Wäldchen und ich freue mich über den Schatten und das Gezwitscher der Vögel und folge dem Kreuzweg durch den Saubachtobel bis zur Kirche in Bernrain.
Von Ellighausen wandere ich auf Teerstraße durch die sanft hügelige Landschaft. Entspannung für die Augen. Über ein längeres Stück begleitet mich eine e-Bikerin und erzählt davon, wie sie ihre Tochter von Lungern nach Schwarzenburg auf dem Jakobsweg begleitet hat und wie die Tochter dann alleine weiter nach Santiago ist. (Weil es ihr auf dem Hauptweg (auch) zu voll war, auf dem Camino an der Küste (das müsste der Camino del Norte sein)).
Eigentlich könnte ich sofort aufhören zu arbeiten (bzw. nicht wieder anfangen) und hätte genügend Ideen, wo ich entlangwandern könnte und möchte. Und nochmal „richtig“ und ungeplant durch die Schweiz zu pilgern, gehört dazu.
Nach Lippoldswilen darf ich nochmal schön durch den Wald wandern - vorbei an einer Grillstelle am Flüsschen, an der die Eltern grillen, während die Kinder im Bach baden.
Im Örtchen Wald ist an einem alten Fachwerk-Hof ein Brunnen und ein Bänklein im Schatten. Prima! Hier und jetzt ist Mittagspause.
Bald darauf folgt ein Hügelchen (vermutlich Wasserreservoir) mit ein paar Bäumen. Eine Bank im Schatten, ein stetes Lüftchen. Hier lege ich mich für eine ganze Weile hin, genieße und döse vor mich hin.
Da ich nun völlig erholt bin und es zum Ziel nicht mehr weit ist, lasse ich mich im nächsten Örtchen dazu überreden, einen Abstecher zur Jakobikirche in Märstetten zu machen. Da es nur 15 Minuten sein sollen, kann das ja nicht sehr weit sein. In Märstetten stehen viele schöne Fachwerkhäuser - auch die Pilgerherberge befindet sich in einem solchen. Die Kirche ist selten schlicht und etwas Besonderes.
Zurück auf dem Weg, darf ich bestaunen, dass auch Erdbeeren in riesigen Folienhäusern gezogen werden. Da muss man sich beim Pflücken gar nicht bücken! Nach wirklich unschöner Straßenberührung folgt zur Versöhnung und zum Abschluss der heutigen Etappe noch ein Waldstück. Nur noch schnell (entlang der Straße) die Thur überqueren und schon bin ich da.
Fun-Fact: ich muss so alt werden, um dann in Amlikon zu sehen, wie Knoblauch angebaut wird! War mir echt unbekannt. Und hier gibt es große Felder, voll mit dem Zeug. Brauche ich heute Nacht keine Angst vor Vampiren zu haben.
Auch in Amlikon-Bisseg ist es unglaublich heiß. Hier wird sogar völlig bekleidet im Dorfbrunnen gebadet. (Da das Kinder sind, lasse ich das mit dem Foto lieber).
Heute verbringe ich das erste Mal eine Nacht in einem B&B. Da ich bei Ankunft noch der einzige Gast bin, ist das mit dem Gemeinschaftsbad sehr entspannt.
Im Dorf gibt es zum Glück einen Dorfladen, der einen an 360 Tagen mit dem Nötigsten versorgt. Und das nur zu leicht höheren Preisen wie ein Coop/Migros. Der Nachteil des Zimmers ist die Dachschräge, sodass ich nicht im Bett sitzen kann. Und es ist natürlich gut warm - immerhin gibt es einen Ventilator.
Die Fragen des Tages:
-Wie ist das möglich, sich am fast zwanzigsten Tag eine (zum Glück kleine) Blase zu laufen?
-Was war heute im hohen Gras, dass die Waden so einen tollen Ausschlag haben? Na ja - wird ja hoffentlich wieder.

Länge Auf Ab
22.2 km 278 Hm 255 Hm

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Tag 19 - Von Amlikon-Bissegg nach Fischingen

7D27566E-618C-4A21-8FEF-BF1EC836F731Amlikon-Bissegg, 20.06.2021

Die Nacht in der „Alten Post“ ist sehr heiß und nur dank des Ventilators erträglich. Es muss auch etwas geregnet haben, denn am Morgen ist alles nass und es ist etwas kühler. Frau Zurbuchen präsentiert ein reichhaltiges Frühstück in ihrem Wohnhaus und ist sehr nett. Ich lerne auch den „Radler“ Samuel kennen, der irgendwann nachts in dem anderen Zimmer eingecheckt ist. Ein toller Kerl aus Lausanne, mit dem ich mich auch gerne noch länger unterhalten hätte. Gute Gespräche sind sowieso etwas, was mir die letzten Tage abgegangen ist. Aber auch so ist es schon zehn Uhr, als ich losgehe.
Über Nebenstraßen und Feldwege erreiche ich Affeltrangen. Dort freue ich mich gemeinsam mit ein paar Kälbchen über einen Brunnen mit frischem Wasser. Ich darf weiterziehen, die süßen Kälbchen müssen bleiben.
Da es heute bedeckt ist, sticht die Sonne nicht so sehr wie die letzten Tage.
Von Münchwilen aus kann ich das Hörnli sehen. Den Berg, den es morgen zu überschreiten gilt und der in jedem Beschrieb explizit erwähnt wird. Allein, mir fehlt die Ehrfurcht. Noch.
An vielen Bauernhöfen bin ich heute schon vorbeigekommen, und viele Kühe habe ich gesehen. Immer nur im Stall. Nie auf der Weide. Ist das, weil Sonntag ist? Sind das die glücklichen Thurgauer Kühe? Ich verstehe das nicht.
In Münchwiler geht es entlang der Murg (hat nichts mit der Schwarzwälder Murg zu tun) nach Sirnach, wo ich endlich am geschlossenen Restaurant Säge unter einer uralten Linde Mittagsrast mache. Leider sieht es gerade nicht so gut aus mit dem Wassernachschub.
Weiter geht es mit viel Teerstraße. Erst kurz vor Oberwangen mal ein Stück Waldweg. Eigentlich nichts Besonderes, aber heute schon. Wie sehr freue ich mich über den Brunnen in Oberwangen! Richtig satt trinken und abkühlen vor dem letzten Stück bis Fischingen. Sooo typisch - die ganze Zeit gibt es kein Wasser - und jetzt gleich vier Brunnen in einem Ort.
Auf die letzten paar Kilometer versucht sich der Weg mit mir zu versöhnen - ein schöner Wurzelpfad führt nun auf einen Hügel und wieder hinunter und schon ist Fischingen erreicht. Am Ende des Dorfes thront das Kloster und dahinter ist wieder das Hörnli mit doch über 1000 Metern Höhe zu erblicken.
Mit Glockenschlag 16 Uhr bin ich da. Was sehen meine vertrockneten Augen? Es gibt eine Klosterbrauerei, die sogar noch geöffnet ist. Schnell mal schauen. Wäre ich früher dagewesen, hätte ich auch noch eine Verkostung machen können. Aber da um 16 Uhr geschlossen wird, bleibt mir, einen 4er-Pack gemischtes Gebräu zu erstehen. Der Abend ist noch lang - und wenn ich so in mich reinfühle, bin ich nicht nur leicht dehydriert, sondern definitiv unterhopft. Dem muss entgegengewirkt werden. (Bin gespannt - normalerweise trinke ich nur alkoholfrei. Sind ja zum Glück kleine Fläschchen)
Beim Check-in ins Kloster-Hotel schiebt mir die Dame zum Abschluss den Schlüssel rüber und ich lese „Andreas“ - und staune nicht schlecht. Personalisierte Schlüsselanhänger? Das habe ich ja noch nie gesehen. Sie sagt dann „Sie sind im Zimmer ‚Andreas‘ im zweiten Stock“ und ich lache los…
Sie schaut erst verwundert - blickt dann auf den Anmeldebogen - und dann dämmert es ihr auch. Tja - ist halt prima, wenn man nicht Kevin oder Justin heißt.
Ich finde den Weg durch das riesige Klostergebäude und betrete meine überraschend große Zelle mit eingebautem Nassbereich. Schlicht. Hochwertig. Still. Kühl.
Mangels Alternativen habe ich mich dazu hinreißen lassen, mich auf das 3-Gänge-Menü einbuchen zu lassen. Ich werfe mich also in Schale (Zweitgarnitur) und bemerke, wie ungewohnt sich eine lange Hose anfühlt.
Im Restaurant sind nur drei Gäste und ich kann meinen 3-Gang-Wunsch einfach revidieren und so bekomme ich zu dem leckeren Brot mit Creme einen fabelhaft angemachten gemischten Salat mit Nüssen und Kernen und danach einen mit Gemüse gefüllten Crêpe/Wrap mit leckerer Soße. Richtig fein! Den Nachtisch (3. Gang: Obstsalat mit Sorbet) lasse ich zuckerbedingt sehr gerne ausfallen. Während wir essen, geht draußen ein unglaublicher Gewitterregen nieder, der nach zehn Minuten vorbei ist. Kurz darauf kommen vier (deutsche) Tages-Wanderer, die man erwartet, aber inzwischen abgeschrieben hatte, recht verdreckt und teilweise nass rein. Sie waren vom Wetter überrascht worden und mussten sich unterstellen …
Die Ankunft dieser Leute beendet leider das Gespräch, welches ich quer durch den Raum mit den beiden anderen Gästen geführt hatte, einem älteren Ehepaar, das aus Luzern kommt und derzeit hier E-Bike fährt.
Nachdem nun die Grundlage für meine Bierverkostung gelegt ist, schreite ich frohen Mutes voran – unter Studium der Bier-Broschüre. Mann ist das kompliziert für jemanden, der bisher nur Weizen und „Normal“ kennt, sowie mit/ohne Alkohol.
Ich merke bald, dass ich mich heillos überschätzt habe und ein Rest übrig bleiben wird. Ich will ja morgen weiterwandern! Egal! Manchmal muss man auch mal was spontan entscheiden. Dauer-Zaudern ist auch Mist.

Fazit:
-Viel gelernt heute!
-Wer gerne ein Kräuter-Entspannungsbad nimmt, sollte mal das „Pilgrim Waldbier“ versuchen. Das schmeckt so. (Nach zwei Schlucken zum Probieren hat das dann nicht „in meine Bauchnabel“ geprickelt, sondern im Ausguss. Schade drum, aber geht für mich gar nicht).

Länge Auf Ab
24.7 km 431 Hm 243 Hm

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Tag 20 - Von Fischingen nach Hurden

1A491C51-470D-4693-B3DB-4DC6DD0CCDBAFischingen, 21.06.2021

Ich habe himmlisch gut geschlafen und fühle mich völlig erholt, obwohl auch nachts die Glocken jede Viertelstunde schlugen. Das Bett war so traumhaft bequem, und in der Zelle war es so angenehm kühl und still.
Der heutige Tag wird von der 21 geprägt. 21. Hochzeitstag am 21. Juni im Jahre 2021. Ein Fest für Numerologen. Derweil macht meine Frau dort Urlaub, wo es garantiert keine Berge gibt. Und oft auch kein Meer. Watt? Genau! An der Nordsee.
Beim Frühstück bin ich alleine und erfreue mich vor allem des Kloster-Früchtebrots. Dazu ein Spicy-Chai und der Tag kann beginnen!
Bei strahlend blauem Himmel, wie man ihn sich nicht schöner vorstellen kann, und Sonnenschein ziehe ich um halb neun los.
Auf schönen Wurzelpfaden im Wechsel mit breiten Schotterwegen geht es hinauf.
Ein Landwirt sorgt für die würzige Landluft. Allerdings kommt die Gülle, die fein versprüht wird, nicht aus einem Güllewagen, wie ich das kenne, sondern aus einem gaaanz langen Schlauch, der irgendwo neben der Straße im Boden verschwindet. Quasi eine Gülle-Pipeline. Interessant! Besser riechen tut's dennoch nicht.
Nach gut eineinhalb Stunden habe ich den Hörnli-Gipfel (1132 m) mit seiner Triangulationspyramide erreicht und damit im Drei-Kantons-Eck den Kanton Zürich erreicht, den ich heute Abend am Zürichsee wieder zu verlassen gedenke.
Da der Hörnli-Wirt irgendwie von meinen Wanderplänen Wind bekommen haben muss, hat er seit letztem Monat den Ruhetag auf Montag gelegt. Im Gegenzug nutze ich nun eines seiner Bänklein, auf denen Picknick explizit verboten ist. Quid pro quo!
Nicht unbedingt knieschonend geht es hinunter nach Steg im Tösstal, wo ich meine Flasche wieder am Brunnen füllen kann. Hier gäbe es sogar einen ansprechenden Laden mit Brötchen und Snacks, aber ich muss noch weiter, bevor ich Mittagspause machen darf.
Bis nach Gibswil verläuft der breite Weg mal entlang der Straße – mal entlang der Bahnlinie. Abwechslung muss sein. Im Volg erstehe ich Salat und Obst und ein paar Gemüsebällchen zum Mittag. Für die verbleibenden zwanzig Kilometer möchte ich keinen Kohldampf schieben.
Im Osten brauen sich immer dunklere Wolken zusammen. Was das wohl noch geben wird?
Der Weg zieht sich nun an der rechten Hangseite nach oben und ich darf dort auf kleinen Sträßchen und Wegen entlangwandern und ins Tal schauen. Das ist abwechslungsreich und macht mehr Spaß.
Nach der x-ten Kuppe beginnen meine Augen zu strahlen. Ich kann plötzlich den Zürichsee sehen. Mit Damm, auf dem mein Tagesziel Hurden liegt. Und sogar die Mythen zeigen sich. Ich freue mich so! Ist aber noch ein gutes Stück bis dorthin.
Vor Rüti führt der Weg hinab zum Fluss Jona und überquert diesen, um dann auf der anderen Seite wieder hinaufzuführen und mich auf Waldwegen meinem Ziel näherzubringen. Als ich mich von einem schwyzerdütschen Spruch auf einer Bank überreden lasse, eine Pause zu machen, ist es eigentlich zu spät. Ich bin die ganze Zeit seit Mittag ohne Trinkpause durchgegangen. Unvernünftig! Umso besser geht es mir jetzt und besonders, als zehn Minuten später auch noch ein Brunnen kommt. Mit bellendem Hund zwar, aber der will nur gestreichelt werden.
Dank der dunklen Wolken über mir brennt die Sonne nicht mehr, aber es ist unglaublich drückend. Das gibt doch sicher noch ein Gewitter! Noch zehn Kilometer – mal sehen.
Schon kurz darauf fallen die ersten Tropfen und ich hülle mich in meinen Poncho. Ich bin zwar nicht aus Zucker, aber wenn ich warte, bis der Starkregen einsetzt, ist es zu spät. Fünf Minuten später hört es wieder auf. Wie bisher jedes Mal.
In Rapperswil besuche ich noch Schloss und Kirche. Danach geht es auf dem Holzsteg nach Hurden. Es ist schon etwas Besonderes, über den Zürichsee zu laufen, zumal der Steg aus senkrecht befestigten Latten besteht, so dass man hindurchschauen kann. Auf einer Seite des Stegs ist eine Holzwand – auf der anderen Seite nichts außer ein paar dünnen Drahtseilen. (Warum es die Holzwand braucht, erschließt sich mir im Verlauf des Abends noch). Der Autoverkehr verläuft auf dem Damm. Schon seit jeher versuchen die Menschen, die natürliche See-Enge, die durch eine Gletschermuräne entstanden ist, zu überqueren. Mindestens seit dem 14. Jahrhundert gibt es hier eine Holzbrücke. (Allerdings ohne Geländer und mit lose aufliegenden Holzbohlen.)
Das letzte Stück zieht sich – dabei habe ich den Berg Etzel fest im Blick, dessen Pass ich morgen überqueren möchte. Endlich ist das Ziel erreicht!
Ich checke semi-freundlich bedient im Gasthof Seefeld ein, der auf dem Damm zwischen Hauptstraße und Bahnlinie eingequetscht liegt. Mein Zimmer hat Blick auf die Bahnlinie.
Eineinhalb Stunden nach meiner Ankunft braut sich ein grandioses Gewitter zusammen. Es fängt an, wie wild zu stürmen – die Gartenterrasse wird schlagartig geräumt. Das Servicepersonal fängt in Windeseile an, Tische und Stühle sowie Blumenkübel, die sich gerade selbstständig machen, einzufangen und windgeschützt abzustellen. Die machen das nicht zum ersten Mal.
Auf dem See gibt es nun Wellen, das dunkle Grün hat sich in ein Hellgrün verwandelt. Die Leuchtsignale sind auf Sturmwarnung (90 x pro Minute) eingestellt und die Regenfront kommt näher. (Leider kann ich keine Fotos machen, denn durch geschlossenes Fenster mit Fliegengitter wird das nichts. Und ich hatte gerade meine Not, das Fenster gegen den Sturm zu schließen. Das mache ich sicher nicht mehr auf!).
Sollte ich nicht weggeweht werden, gibt es mit dem morgigen Bericht ein Update.
Fazit: Ein langer Tag mit viel zu viel Teerstraße, einem schönen Gipfel und einem eindrucksvollen Naturschauspiel.

Länge Auf Ab
35.2 km 739 Hm 949 Hm

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Tag 21 - Von Hurden nach Einsiedeln

BBDC7FBF-CCEB-4A82-9D40-4A7701EA2081Hurden, 22.06.2021

Etwas müde bin ich heute, obwohl so zwischen Mitternacht und 4:30 Uhr gar keine Züge fuhren und das Bett gar nicht unbequem war.
Der Sturm gestern Abend tobte noch eine Weile vor sich hin und zog dann über uns hinweg. Dabei gab es nur ganz wenig Regen. Die Servicekraft beim Frühstück meinte, solche Stürme seien nicht außergewöhnlich – so viele tote Insekten wie gestern gäbe es jedoch selten. Sie hat zwar draußen schon wieder alles auf Vordermann gebracht, aber alle Fensterscheiben sind immer noch mit Leichen gepflastert.
Das Frühstücksbüffet ist überschaubar und leider gibt es kein gescheites Brot. Dafür Obst, Haferflocken und frische gemachte Eierspeisen. (Im Gegensatz zum „The Chedi Andermatt“ Luxushotel wo man für die Nacht gerne einen vierstelligen Betrag latzen darf, sind diese hier in den 13 Franken für das Frühstück schon inbegriffen.)
Das Wetter ist etwas unklar. Grauer Himmel mit dunkelgrauen Wolken und leichtem Wind. Heute packe ich die Regensachen ganz nach oben in den Rucksack. Und ob ich den direkten Weg nach Einsiedeln gehe, oder den längeren, alten und angeblich schöneren Weg (über das Stöcklichrüz - 1246 m), entscheide ich am Etzelpass.
In der Apotheke kaufe ich eine (bzw. zwei) Mini-Tuben Zahnpasta. Nach Sonnencreme ist Zahnpasta das zweite Verbrauchsmaterial, das mir ausgeht. Ich würde das gar nicht erwähnen, aber ich fand spannend, dass man sich hier (nach Registrierung beim Kanton) in der Apotheke impfen lassen kann. Übrigens mit Moderna. Gegen FSME impft die Apotheke übrigens auch.
Der Weg den Etzel hinauf gefällt mir gut. Wurzelig, mit ein paar Stufen und zunehmend durch die ruhige, friedliche Natur. Es fängt kurz an zu tröpfeln – hört aber gleich wieder auf. Insgesamt versprechen die Wolken am Himmel wenig Gutes. Unterwegs komme ich an der Unterstandshütte Gruebi vorbei. Schön gebaut und super in Schuss gehalten. Ich versuche mich daran, das Gedicht zu verstehen und verewige mich im Hüttenbuch.
Zwei Stunden nach Start erreiche ich den Pass mit Kapelle und Gasthaus St. Meinrad. (Auf den heiligen Meinrad geht übrigens Einsiedeln zurück). Kurz unterhalb der Passhöhe konnte ich neben Panzersperren auch noch einen Bunker nebst Infotafel „bewundern“. Von einer Reduit-Nordfront hatte ich noch nie gehört und bin dankbar für die vielen friedlichen Jahre, in denen ich leben durfte. Möge das so bleiben!
(Wer Gänsehaut braucht, der lese mal den Artikel „Schweizer Réduit“ bei Wiki – hochinteressant!)
Gerade entscheide ich mich, den kurzen Weg zu gehen und das Stöcklichrüz auszulassen (macht bei dem Wetter keinen Sinn) und besichtige die Kapelle, als es anfängt, zu regnen.
Auch nach einer Viertelstunde in der Kapelle, in der ich ihre Geschichte ausreichend studiert habe, ist es draußen kühl und regnet ausgiebig. Ich beschließe, nun doch meine Regensachen anzuziehen und weiterzuwandern.
Vorbei am Geburtsort von Paracelsus wandere ich über die Tüfelsbrugg – einem beachtlichen Bauwerk mit Ursprüngen im 12. Jahrhundert, das über die Siehl führt. Gerade als ich sie überqueren möchte, kommt ein fetter Maserati angefahren, den ich gerne vorlasse. Er tastet sich mehr hinüber – es ist so eng, dass die Parksensoren ansprechen. Ein Karren mit vierbeinigem Esel, wofür die Brücke mal gebaut wurde, hätte da weniger Probleme.
Über Wiesen und Weiden geht es auf den nächsten Hügel. Ich versuche, mich mit meinem Poncho und Regenhose nicht zu schnell zu bewegen – bin aber dennoch pitschnass geschwitzt. Einmal muss ich über eine Weide mit Kühen, die heute anders reagieren, als sonst – oder ist das Einbildung? Besonders seltsam ist ein Rindvieh ohne Euter. Mit meinem roten Poncho hat das so etwas von Torero. In respektvoller Distanz und den Fluchtweg im Blick, erreiche ich heil das nächste Drehkreuz und bin erleichtert.
Nachdem ich eine gute Stunde durch den Regen getapst bin, hört er auf und der Himmel vor mir wird freundlicher. Von den Hügeln und Bergen ist dennoch nicht viel zu sehen. Ein Blick zurück, wo ich den Etzel wähne, offenbart nur dunkelgraue Wolken. Oh weia. Ich bin froh, dass ich mich für die kurze Strecke entschieden habe – das war vernünftig.
Der Siehlsee mit dem Steg, den ich gerne überquert hätte, kommt in Sicht und unweit daneben Einsiedeln. Da will ich hin.
Als ich in Einsiedeln die Klosteranlage erreiche, erschlägt sie mich durch ihre schiere Größe. Obwohl ich schon einmal hier war! Die Ställe, die angeblich sehenswert sind, sind wegen COVID gesperrt. Der riesige Platz vor dem Kloster wird und wurde gerade neu gepflastert. Ich betrete die Klosterkirche und komme aus dem Staunen nicht mehr heraus. Ich bin tief beeindruckt, aber diese Pracht zu beschreiben, ist mir einfach unmöglich. (Fotografieren ist leider verboten)
Da ich ziemlich nass bin und mir auch kalt wird, suche ich das Hotel auf.
Ich bin heute total geschafft – ich verstehe gar nicht, warum. Also ruhe ich mich nach dem Duschen/Wäschewaschen erstmal aus.
Ich spiele sogar kurz mit dem Gedanken, die (kostenpflichtige) Sauna aufzusuchen, aber als ich interessehalber mal nachfrage, sagt man mir, dass diese gerade von einer Gruppe Frauen gebucht sei. Seltsam! Da ich ohnehin unschlüssig bin, lasse ich das auf sich beruhen, aber ein seltsames Gefühl bleibt zurück. Seit wann kann man den Wellnessbereich eines Hotels exklusiv buchen? Dafür, dass Einsiedeln DER Wallfahrtsort der Schweiz ist, werde ich, als ich mit Rucksack, Poncho und Wanderschuhen ins Hotel einlaufe, eher distanziert behandelt. Anders gesagt: Der Respekt und die Anerkennung, hier (vielleicht) einen echten Pilger/Wallfahrer vor sich zu haben, wird gut verborgen. Das war in Fischingen und fast allen bisherigen Unterkünften anders. (Da hatte es auch nicht geregnet)
In einer Regenpause schlendere ich nochmal durch die Stadt – allzu groß wird die Runde nicht, da es wieder weiterregnen möchte.

Länge Auf Ab
13.7 km 679 Hm 184 Hm

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Tag 22 - Von Einsiedeln nach Schwyz

5FE70E38-6A35-4BD7-8DAD-1E1CD4476FA9Einsiedeln, 23.06.2021

Es war sehr ruhig letzte Nacht. Außer den Glockenschlägen des nahen Klosters war nichts zu hören. Da ich sehr früh schlafen gegangen bin, konnte ich etwas Schlaf nachholen und fühle mich ganz okay, aber dennoch nicht super-fit.
Der Himmel ist eine Mischung aus stahlgrau in der einen Himmelsrichtung und blau mit Flockenwolken in der anderen. Aber es ist trocken und mit 15 Grad angenehm kühl.
Das Frühstück ist ok und ich bemerke, dass ich langsam keinen harten, rucksacktauglichen Käse mehr sehen mag. Aber ein Stück frisches Brot mit Butter ist ja auch lecker. Dabei beobachte ich einen Mann mit überdimensionalem Hund. Da bekommt der Begriff „Herrchen“ eine neue Bedeutung.
Gestern konnte ich nach etwas Diskussion auch die Hotelangestellte überzeugen, dass das Frühstück im Preis inbegriffen ist. Man mag von booking.com halten, was man will, aber da ist mindestens alles klar geregelt.
Zum Abschied von Einsiedeln muss ich nochmal kurz in die Klosterkirche schauen, um meine Eindrücke aufzufrischen. Dann wandere ich los.
Vorbei am Kloster Au geht es entlang der Alp das Alptal hinauf.
Heute habe ich sehr wenig Proviant dabei und vertraue darauf, dass ich an einer der Alpen Brot und Käse erstehen kann und zur Not am Haggenegg nicht verhungern werde.
Der Große Mythen, oder eigentlich richtiger „die große Mythe”, denn nach lateinischem Ursprung (meta) bedeutet dies „etwas Aufragendes”, ist Wahrzeichen des Kantons Schwyz und hat es mir echt angetan. Zweimal schon hatte ich bereits das Glück, oben stehen zu dürfen. Heute geht es nicht – aber vielleicht ist es mir irgendwann in der Zukunft noch einmal vergönnt.
Nach knapp zwei Stunden erreiche ich Alpthal (was sich wirklich so schreibt) und besuche die Kirche, in der ich auch etwas verweile.
Weiter geht es entlang des Flusses Alp. Das Talende habe ich schon deutlich vor Augen. Vor mir, den Großen Mythen, links daneben das Holzegg. Der kleine Mythen, der viel schwieriger zu besteigen und auch gar nicht durch einen Normalweg erschlossen ist, schiebt sich von rechts in mein Blickfeld. Und rechts daneben muss das Haggenegg liegen – der Pass, über den ich das Alptal verlassen möchte. In zwei Stunden soll ich ihn und damit den höchsten Punkt (1414 m) des Jakobswegs in der Schweiz erreichen.
Ich bin so vom Blick auf den Mythen und den Lärm eines Hubschraubers abgelenkt, dass ich fast die scharfe Abzweigung des Weges nach rechts verpasst hätte. Nun darf ich auf steilem, steinigem Saumpfad gut 400 Höhenmeter zum Haggenegg aufsteigen.
Stoisch arbeite ich mich Schritt für Schritt hinauf und gewinne rasch an Höhe. So langsam nervt der Hubschrauber. Wenn ich das richtig sehe, werden hier Bäume ausgeflogen. Jeweils zwei bis fünf astlose Stämme baumeln am langen Seil unter dem Heli. Das muss doch unglaublich teuer sein?!
Der Anstieg bringt mich zwar ins Schwitzen, aber bei dem Wetter liebe ich das.
Ich habe nur noch etwa hundert Höhenmeter zum Pass und jetzt schieben sich Wolken vor beide Mythen. Auch sonst sieht es am Himmel ziemlich wolkig aus. Mal schauen, was das heute noch gibt.
Ich erreiche das Haggenegg mit Pilgerkapelle und sehe: Nichts! Selbst die Leute auf der Terrasse des vielleicht 50 Meter entfernten Gasthauses kann ich hören, aber nicht sehen. Obwohl eine Panoramatafel nur 1 Minute neben dem Weg liegen soll, spare ich mir den Weg. 360-Grad Rundumsicht – und in jeder Richtung nur Nebel/Wolke.
Dass ich nur 1:10 h statt 1:50 h gebraucht habe, überrascht mich doch.
Da ich keine Lust habe, hier oben Rast zu machen, und mir in meinen nassgeschwitzten Sachen auch kühl wird, nehme ich nur den Rest meines Brötchens und meinen Apfel in die Hand und starte den Abstieg.
Mir steht es ganz bestimmt nicht zu, wegen des Wetters zu jammern! Außerdem könnte es deutlich schlimmer sein.
Zum Glück merke ich schon nach wenigen hundert Metern, dass ich am Haggenegg intuitiv den falschen Weg eingeschlagen habe – nämlich die auf dieser Pass-Seite vorhandene Fahrstraße. GPS und Karten mit Standortbestimmung sind schon eine tolle Erfindung. Ich drehe also um und nehme den richtigen Weg. Über steile und sehr steile Schotter- und Wurzelpfade geht es hinab.
Als ich nach einiger Zeit eine Teerstraße erreiche, öffnet sich plötzlich der Blick auf den Vierwaldstättersee. Auch den Lauerzersee nehme ich nun erstmals bewusst wahr. Ist das schön!
Am großen, ockergelben Bau des Kollegiums, welches 1856 als Kollegium „Maria Hilf“ gegründet wurde, wandere ich in das Ortszentrum von Schwyz. Ich bin überrascht, wie früh ich schon da bin. Und ich habe Hunger!
Neben dem mit einem großen Gemälde der Schlacht von Morgarten verzierten Rathaus steht die spätbarocke Pfarrkirche, die ich kurz besichtige. Ich empfinde sie als enorm prunkvoll und lerne später, dass sie die festlichste Pfarrkirche der Schweiz sein soll.
Ein Schild verspricht Pizza und Pasta – genau danach steht mir der Sinn! Als ich beim entsprechenden Restaurant ankomme, muss ich feststellen, dass dieses in meiner Mittagspause selbst Mittagspause macht. Finde ich doof. Es ist nicht mal 14 Uhr! Der Express-Chinese hat auch geschlossen, und in einem ansprechend aussehenden Café ist das reizvolle indische Tagesessen ausverkauft. Hmpf!
Ich flaniere also noch etwas suchend durch das kleine Stadtzentrum und plötzlich sehe ich eine ganze Schar Jugendlicher, die im Kirchgarten sitzen und essen. Da kann die „Lösung“ also nicht weit entfernt sein. Tatsächlich sitze ich wenige Minuten später mit einer gar nicht schlechten Salattasche mit Rösti (Wie Döner – nur mit Rösti-Talern statt Fleisch – gar keine schlechte Erfindung) und Ayran auch in ebenselbem Park. Das tut jetzt gut!
Da die Rezeption meines Hotels erst um 16 Uhr öffnet und (mir) mein Inhalt des Rucksacks zu wertvoll ist, um ihn einfach im Keller zu deponieren, ziehe ich voll bepackt auf einen beschilderten Stadtrundgang los. Da ich momentan auf Zucker achte, fallen all die netten Beschäftigungen, mit denen man sich sonst gut die Zeit vertreiben kann, flach. Also z.B. Kuchen oder Eis essen gehen.
Der Rundgang ist ganz nett, aber irgendwie reicht es mir jetzt auch und so lande ich relativ bald wieder auf einer Parkbank – ein (alkoholfreies) Bier habe ich unterwegs auch gefunden. Nebenbei genieße ich die kleinen Annehmlichkeiten eines zivilisierten Landes – nämlich eine benutzbare Toilette am Busbahnhof. Hieran habe ich mich in den letzten drei Wochen sehr gerne gewöhnt!
Ich checke im „Hirschen Backpacker“ ein und gönne mir heute mal den Luxus, meine Wäsche durch eine Maschine waschen zu lassen. Waschen und Trocknen für 5 Franken erscheint mir fair. In Einsiedeln hätte der Wäscheservice nur für mein Hemd 8 Franken gekostet. Wenn man das überlegt, habe ich in den letzten drei Wochen hunderte Franken gespart. Die haue ich heute Abend auf den Kopf und esse hier im Haus ein paar Nudeln. Irgendwie passt das schlichte Essensangebot eher zu meinen Bedürfnissen.
Die Spaghetti „Cinque Pi“ sind lecker und die Portion so groß, dass ich sie fast nicht schaffe. Auch das Begrüßungs-Bier und der „Suure Moscht“ schmeckt gut. Dazu bekomme ich unvermeidlich auf Großbild-Leinwand mit, wie die Spanier bei der EM ihren Gegner schlachten.
Fazit: Guter Tagesstart und gutes Ende. Alles gut!

Länge Auf Ab
19.6 km 537 Hm 918 Hm

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Tag 23 - Von Schwyz nach Brunnen

5B6D99F5-4F6C-4926-87DF-19A339522BC6Schwyz, 24.06.2021

Bis auf die Tatsache, dass eine enorm lästige Fliege meint, die Nachtruhe schon um fünf Uhr beenden zu müssen und mein Gesicht als Landeplatz nutzen zu können, gibt es nichts auszusetzen. Dieses blöde Vieh lässt sich einfach nicht verscheuchen. Nachdem ich zwei, drei ziemliche Backpfeifen kassiert habe, bin ich richtig wach. Draußen ist schönstes Wetter. (Gestern Abend hat es noch kräftig geregnet.)
Ich bleibe noch etwas liegen, genieße die Aussicht und mache mich dann fertig.
Gut, dass ich die schöne Aussicht aus dem Schlafzimmerfenster schon genossen habe, denn als ich um Viertel vor acht losgehe, haben sich schon Wolken vor die Berge geschoben. Über und hinter mir hängen jetzt dunkle Regenwolken. Das sieht vielversprechend aus!
Im Coop hole ich mir schnell ein trockenes Brötchen, etwas Milch und eine Banane zum Frühstück.
Im Ortsteil Ibach wandere ich am Haupt- und Gründungssitz der Firma Victorinox vorbei. Hierher stammt also das Produkt, welches wirklich jeder mit der Schweiz verbindet: das Schweizer Taschenmesser. (Fun-Fact: Obwohl es „Swiss Army Knife“ heißt, gehörte es nie zur Ausrüstung der Schweizer Armee)
An einer Panoramatafel bei der Zahnwehkapelle nehme ich einen kurzen Soll-/Ist-Abgleich vor (siehe Bild). Hmmm… deutliche Differenzen erkennbar – aber immerhin habe ich keine Zahnschmerzen und bisher regnet es auch noch nicht.
Weiter geht es zum Kloster Ingenbohl welches kurz vor Brunnen leicht erhöht liegt. Für mich gibt es hier nichts zu sehen, sodass ich meine Aufmerksamkeit weiter der schmalen Straße schenke, um nicht von einem der vielen LKWs, die ins nahegelegene, laut ratternde Kieswerk fahren, touchiert zu werden.
Ich erreiche Brunnen, gehe für das Mittagessen einkaufen (aufgrund des Wetters nur Dinge, die man im Gehen essen kann) und gehe bis zur Bootsanlegestelle. Hiermit beende ich offiziell die Durchquerung der Schweiz auf dem Jakobsweg/Via Jacobi auf der Route Genf – Kreuzlingen. Weiter geht es nun (nur noch) auf dem E1.

Länge Auf Ab
6.9 km 64 Hm 139 Hm

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